Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate


Von
Wahlwerbung mit Helmut Kohl: Die Linken in Rheinland-Pfalz haben damit kein Problem. (Foto: Privat)

Wahlwerbung mit Helmut Kohl: Die Linken in Rheinland-Pfalz haben damit kein Problem. (Foto: Privat

Liebe Linke in Rheinland-Pfalz,

ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber Ihr habt es tatsächlich geschafft: Ich bin von Euch überrascht. Und das sogar zweimal binnen weniger Tage.

Die Leser dieses Blogs erinnern sich vielleicht noch an den Beitrag zum Wahlplakat der Linken, auf dem das Konterfei von Papst Franziskus zu sehen ist sowie dessen weise Worte: „Wenn die Politik wirklich den Menschen dienen soll, darf sie nicht Sklave der Wirtschaft und Finanzwelt sein.“

Liebe Linke,

jetzt habt Ihr es schon wieder gemacht. Wir warten ja immer noch, ob Ihr irgendwann einen Eurer Spitzenpolitiker plakatiert, dem schon mal etwas Kluges eingefallen ist. Aber nun präsentiert Ihr uns zum zweiten Mal ein Plakat mit einem Kopf, den wir nie in Euren Reihen vermutet hätten: Helmut Kohl. Ausgerechnet der Einheitskanzler, der Eurer Vorgängerpartei – der SED – so viel zu schaffen machte, gar deren Spielwiese – die DDR – einkassierte. Ausgerechnet dieser Helmut Kohl, dieser CDU-Mann,  lächelt uns nun von Eurem Plakat an. Freilich kein Gesicht des alten Mannes, der heute kaum noch an die Öffentlichkeit tritt, sondern ein Bild aus besseren Zeiten. Genau wie bei Papst Franziskus habt Ihr tatsächlich ein Zitat von ihm gefunden, das nicht nur wie aus dem Poesiealbum klingt, sondern gerade in Euren Wahlkampf passt: „Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht.“

 

Liebe Linke,

ich muss gestehen, dass Ihr es mit diesen Plakaten schafft, für Gesprächsstoff zu sorgen. Das ist per se ja mal kein schlechtes Anliegen – gerade im Wahlkampf wären andere Parteien froh, wenn man sie überhaupt mal wahrnehmen würde. Ich weiß noch nicht so recht, was ich von diesen Plakaten mit Franziskus und Kohl halten soll. Das sind doch Männer, die sicherlich nicht gerade mit eurer Partei sympathisieren. Zumindest für Kohl würde ich diesbezüglich meine Hand ins Feuer legen. Naja, was soll’s. Irgendwie sind beide sogenannte Personen der Zeitgeschichte. Sie müssen also damit leben, dass aus dem Zusammenhang gerissene Zitate mit ihren Bildern auf Plakaten von Gruppierungen kleben, die auch gerne mal ein paar Abgeordnete ins Landesparlament schicken wollen.

Liebe Linke,

bitte habt Verständnis: Ich kann jetzt nicht bei jedem Plakat, das ihr vorstellt, einen Blogbeitrag schreiben. Irgendwann wird es langweilig. Aber ich wollte Euch dann doch noch etwas auf den Weg mitgeben.

Liebe Linke,

wie soll ich`s sagen. Mir fehlen die Worte. Ich bediene mich deshalb einfach mal ganz ungeniert bei anderen Menschen, die das, was mir durch den Kopf geht, schon früher und in einem ganz anderen Zusammenhang gesagt haben: „Es gibt Parteien, die singen: Brüder, zur Sonne, zur Freiheit. Und dann putzen die Frauen die Fenster, damit die Brüder die Sonne sehen können.“ (Claudia Roth,  Grüne). Ganz schön finde ich auch noch dieses Zitat von Georges Pompidou, dem ehemaligen französischen Staatspräsident: „Wenn ich sagen würde, was meine Meinung ist, dann hätte ich das Gefühl, die kommunistische Partei zu beleidigen.“

Die Landesvorsitzende der Linken in Rheinland-Pfalz Katrin Werner (l-r), die Spitzenkandidatin für die Landtagswahl Kathrin Meß, der Bundesparteivorsitzende Bernd Riexinger und der Spitzenkandidat Jochen Bülow präsentieren in Mainz ein Wahlplakat für den Landtagswahlkampf, das ein Bild und ein Zitat von Papst Franziskus zeigt.

Werben mit dem Papst: (von links) Die Landesvorsitzende der Linken in Rheinland-Pfalz Katrin Werner (l-r), die Spitzenkandidatin für die Landtagswahl Kathrin Meß, der Bundesparteivorsitzende Bernd Riexinger und der Spitzenkandidat Jochen Bülow präsentieren in Mainz ein Wahlplakat für den Landtagswahlkampf, das ein Bild und ein Zitat von Papst Franziskus zeigt. (Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .
Andreas Ganter

Über Andreas Ganter

Kürzel: gana, Jahrgang 1982, überzeugter (Saar-) Pfälzer, studierter Politikwissenschaftler und Theologe, an Landespolitik interessierter Journalist. Hat seit 2014 im Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“ verstärkt seine Heimat - die Westpfalz - im Blick, und die sorgt auch auf Landesebene immer wieder für Schlagzeilen (Flughafen Zweibrücken, Windräder im Pfälzerwald …).

2 Gedanken zu „Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate

  1. Alexander Ulrich

    Lieber Herr Ganter.

    Nein. Langweilig wird’s mit Sicherheit nicht. Und seien Sie nicht so voreilig. Das nächste Plakat kommt bestimmt….
    Ja. Wir haben es geschafft, dass gleich über zwei Plakate von uns überregional geredet, geschrieben und diskutiert wird und der Bundesgeschäftsführer der CDU sich sogar äußern muss.
    Auch wenn es Ihnen schwerfallen wird, werden sie zugeben müssen, dass Wahlplakate über die nicht geredet wird, offensichtlich ihre Funktion verfehlen. Und wir glauben auch nicht, dass ihnen die Worte fehlen werden. Sie werden sicherlich schon etwas in der Hinterhand haben, wann und wo sie uns mal wieder so richtig journalistisch eine mitgeben. 😉 Aber auch dazu gibt es ein Zitat von einem, der nicht zu uns gehört. FJ Strauß soll mal gesagt haben, dass es egal sei, was über ihn geschrieben wird. Richtiges oder Falsches. Positives oder Negatives. Hauptsache es wird geschrieben.
    Deshalb schreiben sie noch sehr viel über uns! Richtiges oder falsches!

  2. Peter Glaeser

    Lieber Herr Ulrich,
    eigentlich wollte ich nur nachfragen, ob Sie sich sicher sind, dass Sie auf den Plakaten auch „sauber“ zitieren? Gehören nicht Name des Verfassers, Ort und Zeitpunkt/Fundstelle immer dazu?
    Nachdem ich nun schon am PC sitze: Ihre Antwort klingt aber jetzt wirklich auch ziemlich doof. Sie begeben sich doch da auf eine Stufe mit den Braunen: Deren Plakat-Parolen sind ja auch geklaut, ihre Erfinder zählen zu den größenwahnsinnigsten der großen Verbrecher der Weltgeschichte und de Anhängern ist es schnurzegal, ob und wie falsch oder richtig eine „Lügenpresse“ damit umgeht. Da geht´s auch immer nur nach dem Motto: „Die Hauptsach´ Balaawer!“ (Pfälzische Redewendung)

Kommentare sind geschlossen.