Charlys grüne Eier


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Gestern hatte ich Besuch von Charly. Eigentlich heißt er Karlfrieder, aber für uns war und ist er immer nur „der Charly“ gewesen. Er kommt aus Weil in Südbaden. Auch dort in Baden-Württemberg wird am 13. März ein neuer Landtag gewählt. Charly und ich kennen uns seit 35 Jahren. Wir hatten damals jeder ein altes VW-Käfer-Cabrio. Und ein Pouch-Faltboot – made in DDR.  Die zwei Faltboote gibt es immer noch. Als Charly gestern kam, hatte er einen Karton dabei – voll mit grünen Eiern. „Sind die schlecht?“, fragte ich etwas irritiert. „Nein, ganz frisch“, antwortete Charly lachend. Die Eier waren nicht gefärbt. Das Grün war schalenecht. Rot-Grün in Mainz, dazu Grün-Rot in Stuttgart. Wieso also haben solch grüne Eier in den  Landtagswahlkämpfen bisher keine Rolle gespielt? Die Antwort kennt nur das Araucana-Huhn.

Diese aus Südamerika stammende Geflügelrasse lagert grünen Gallenfarbstoff in die Eierschale ein. Auf Eigelb und Eiweiß hat das keinen Einfluss. Die grünen Eier der Araucana-Hühner sollen angeblich einen geringeren Cholesteringehalt haben als andere Eier; doch es gibt Studien, die das widerlegen. Gleichwohl fragt man sich, warum diese Eier bisher in Rheinland-Pfalz so wenig Beachtung fanden. Denn seit fünf Jahren hat mit Ulrike Höfken eine Grünen-Politikerin im Mainzer Landwirtschaftsministerium das Sagen. An Einsatz für eine artgerechte und bäuerliche Hühnerhaltung fehlt es bei Höfken nicht. Im September hatte sie beispielsweise im Ministerium extra zu einer Gesprächsrunde geladen, an der Vertreter der Geflügelwirtschaft, der Bauernverbände, des Tierschutzes, der Öko-Verbände und des Handels teilnahmen. Hinterher veröffentlichte das Ministerium zu dem Treffen eine Pressemitteilung. Daraus erfuhr man, dass nur jedes fünfte Ei, das in Rheinland-Pfalz konsumiert wird, auch dort produziert wird. Über die Araucana-Hühner stand nichts in der Pressemitteilung. Leider.

Charly hat die grünen Eier von einer Bäuerin aus der Nachbarschaft seiner Eltern. Dort unten in der Nähe von Weil. Das wäre ein Gesprächsfaden. Doch an diesem Abend reden wir über Donald Trump, Obama und über Hillary. Charly bleibt über Nacht. Am nächsten Morgen beim Frühstück gibt es – natürlich – ein paar der grünen Eier aus dem Karton. „Kretschmann-Eier“, sagt Charly. Ich denke mir: Winfried Kretschmann, der grüne baden-württembergische Ministerpräsident, hat seiner rheinland-pfälzischen Parteifreundin Ulrike Höfken doch einiges voraus – auch an diesem Morgen die Anspielung auf die Araucana-Eier.

Ob Charly die Grünen wählen wird, weiß ich nicht. Sein altes Käfer-Cabrio war rot. Meins war weiß. Das Verdeck jeweils schwarz.

grüne eier

Aus Charlys Eierkarton: Neben braunen und weißen gibt es auch grüne Eier. (Foto: M. Müller)

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Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.

Ein Gedanke zu „Charlys grüne Eier

  1. Frank Lehmann

    Egal, welche Farben am 13. März dominieren werden: Die Farbe der Unschuld „Weiß“ sicher nicht. Fragt sich, woher so schmutzige Eier auf so viel Schnee in Neustadt kommen. Alles von Karlfrieder?

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