Irgendetwas ist hier anders


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speyer

Der Dom dominiert das Stadtbild von Speyer. Keine Frage. Aber irgendetwas sieht hier anders aus, oder? (Foto: gana)

Wer in der Pfalz unterwegs ist, erlebt und sieht so einiges. Da startet der Redakteur morgens im Westen, nachdem er sein Auto von Schnee befreit hat, und fährt Richtung Osten. Lange. Der Weg zieht sich. Das Thermometer steigt spürbar mit jedem zurückgelegten Kilometer. Dann, angekommen am Ziel der Reise, merkt er sofort: Hier stimmt etwas nicht. In Speyer sieht es irgendwie anders aus.

Klar, der Dom. So etwas gibt es in Neustadt oder Zweibrücken nicht. Ein Technikmuseum sucht man in Landau oder Rockenhausen natürlich vergebens.  Das Wetter ist in Speyer zwar angenehmer, als in westlicheren Gefilden der Pfalz, die sicher niemand als Toskana Deutschlands bezeichnen würde, aber all das ist es nicht. Es sieht hier einfach anders aus.

Sind es vielleicht die Touristen? Nein. Die gibt es auch andernorts in der Pfalz, Stichwort Hambacher Schloss. Selbst die in Speyer obligatorischen Brezelstände sind nicht so einzigartig, dass sie den Besucher aus dem fernen Westen ernsthaft erstaunen könnten. Hungrige Passanten können selbst in Germersheim oder Kirchheimbolanden ein delikates Laugengebäck erstehen. Was ist mit der Fußgängerzone zwischen Dom und Altpörtel? Zugegeben, sie ist zwar stärker frequentiert als ihr Äquivalent in Kusel, aber das kann es doch nicht sein.

Der zum Flaneur gewordene Redakteur hält inne. Kratzt sich am Kopf. Zweifelt an seiner Wahrnehmungsfähigkeit. Die Arbeit wartet. Ein letzter Blick, dann soll das Grübeln zu Ende sein. Vorm geistigen Auge ziehen Bilder vorbei. Momentaufnahmen von Städten aus der Pfalz. Groß- und Kleinhirn versuchen sich an einem Datenabgleich. Der Kraftakt gelingt. Heureka: Es fällt wie Schuppen von den Augen: In der Speyerer Innenstadt hängt nicht ein einziges Wahlplakat. Wer durch die Altstadt schlendert, begegnet weder politischen Parolen noch den stets lächelnden immergleichen Polit-Gesichter. Für den Journalisten ist das eine neue Erfahrung in den zurückliegenden, vom Wahlkampf geprägten, Wochen. Die Erklärung: Die Satzung von Speyer verbietet es den Parteien, in der Altstadt mit Plakaten auf Stimmenfang zu gehen. Keine Frage: Speyer ist eine Reise wert –  auch und vielleicht sogar gerade im Wahlkampf.