Wein, Weib und Gesang


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Huch, was war denn da los? Bereits vor ein paar Wochen haben besorgte Leser bei uns in der Redaktion angerufen. Weil ein Helikopter ziemlich lange ziemlich viele Runden über Landau drehte. Wurde da ein Vergewaltiger gesucht? Ein Dieb? Oder wurden da aus luftiger Höhe vielleicht ein paar Aufnahmen für neue Stadtansichtskarten geknipst? Wir haben gleich zum Hörer gegriffen, knallhart nachgefragt – und erfahren, was da los war. Aber: Wir sollten – bitte –  erst mal noch nicht darüber schreiben. Weil: pssssst!

„Angela Merkel kommt ja bald nach Landau, aber das darf noch nicht berichtet werden“, so ein Polizeisprecher. Wegen Sicherheit und so. Hoch oben über Landau wollten Sicherheitskräfte einfach mal die Lage abchecken und vielleicht schon mal gucken, wo die Kanzlerin freundlich winkend aus dem Heli steigen kann. Bei hohem Besuch darf eben nix schiefgehen. Alles muss sitzen.

Heute Nachmittag wollten viele die CDU-Chefin bei ihrem Wahlkampf-Auftritt in der Südpfalz sehen. Vor der Halle: Menschen, Menschen, Menschen. Dicht an dicht drängten sie sich an den Wachleuten vorbei, die im Eingangsbereich in jede Tasche gucken wollten. Am Ende musste das Gepäck dann doch an der Garderobe abgegeben werden. Wer’s dann auch noch unter die ersten 1100 geschafft hatte, durfte in den prunkvollen Saal. Die restlichen 200 Leute mussten sich mit der Live-Übertragung auf einer Leinwand im Foyer abfinden.

Und sonst so? So ziemlich genau zwei Stunden am Stück ging’s um Innovationen, Visionen, Schwung, Kraft, Weichen und ähnliche schillernde Wahlkampffloskeln, eingebettet in volkstümliche Blasmusik („Ungarischer Tanz“), flippiges Getrommel (Safri Duo), schiefes Geträller („Einigkeit und Recht und Freiheit“) und kurze Clips mit der rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner. Klöckner beim Gassigehen mit einem West Highland White Terrier in den Weinbergen. Klöckner auf dem Traktor. Klöckner mal mit Wanderschuhen, mal mit Pumps.

Nachdem sich die CDU-Chefin Angela Merkel in einem Nebenzimmer mit den kraftvollen Worten „Angela Merkel“ ins Goldene Buch der Stadt Landau eingetragen hatte, betrat sie die große Bühne, um gleich mal über das zu sinnieren, was die Menschen am meisten bewegt. Nein, nicht über Flüchtlinge, sondern übers Essen. „Habe ich in der Halle hier nicht mal einen Saumagen von Heiner Geißler geschenkt bekommen?“ Wahlkampf eben.

Ein Gedanke zu „Wein, Weib und Gesang

  1. Hans Henke

    Klasse Darstellung, als wäre man dabei gewesen. Das Inhaltliche von Frau Merkel kann man eh überall nachlesen. Und so hat man sich doch das Gedrängel gespart.

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