Wer die ganz heiße Wahlkampfphase einläutet


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Wann die ganz heiße Wahlkampfphase beginnt, entscheidet eine RHEINPFALZ-Sekretärin. Diesmal hat es Bettina Stephan getan: am 1. März um genau 14.27 Uhr. Da hat sie an uns Redakteure eine E-Mail mit einer alarmierenden Betreff-Zeile verschickt: „Essen Wahlabend – dringend!“ Am 25. Februar um 11.17 Uhr hatte sie sich in gleicher Sache schon einmal gemeldet, da allerdings noch mit eher lockenden als drängenden Worten: „Wer viel schafft, hat auch viel Hunger …“

Doch wir Journalisten sind halt immerzu schwer beschäftigt. Wir müssen brandheiße Skandale aufdecken. Oder hochintelligente Kommentare verfassen. Oder bewegende Reportagen schreiben. Oder uns überlegen, warum nur das Computersystem an dem blöden Tippfehler schuld sein kann, den ein treuer Leser in unserem Artikel entdeckt und in einer säuerlichen E-Mail angeprangert hat. Kein Wunder also, dass wir uns nicht noch um organisatorischen Kleinkram kümmern können.

So war es schon, als vor ein paar Wochen ein Spitzenkandidat nach dem anderen bei uns zu Gast war. Die Sekretärinnen wollten vorher wissen, wie viele Redakteure jeweils zu diesen Gesprächen kommen würden. Schließlich sehen wir alle blöd aus, wenn die Kaffeetassen nicht reichen. Und noch viel blöder, wenn viel zu viele auf dem Tisch stehen. Denn dann meint der Besucher vielleicht, dass vor ihm jetzt nur jene Journalisten sitzen, die sich so gar nicht vor diesem Termin drücken konnten.

Doch natürlich mussten erst mahnende E-Mails verschickt werden, ehe sich Kollegen wie der hier zu einer Antwort bequemten. Am Wahlabend selbst allerdings geht es um mehr als nur um Kaffee und Kaltgetränke: Da spendiert uns der Verlag in der Ludwigshafener Zentrale ein Essen, das wir hastig herunterschlingen können, während wir auf erste Ergebnisse warten. Allerdings sind bei Bettina Stephan verdächtig wenige Anmeldungen eingegangen. Trotzdem hat sie inzwischen bestellt. Irgendwann muss sie das ja tun.

Mittlerweile ist sogar wieder eine Portion frei geworden. Andreas Ganter wird, statt in Ludwigshafen zu sitzen, vermutlich nach Mainz fahren, um dort unsere Korrespondenten Karin Dauscher und Arno Becker zu unterstützen. Bleibt nur die Frage, wie viele nicht angemeldete Kollegen an seiner Stelle zum Buffet schleichen – und ob die ganz heiße Wahlkampfphase für uns mit lautem Magenkurren endet.

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Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.