Drei Tage: Blubberblasen „unter drei“


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Wenn sich Journalisten mit Politikern über sensible Themen unterhalten, dann erleichtert ein ungeschriebenes Regelwerk die Kommunikation ungemein. Alles was „unter eins“ gesagt wird, darf unter Angaben der Quelle geschrieben werden. „Unter zwei“ heißt, die Information darf verwendet werden, aber ohne Quellenangabe. Lesen Sie also Formulierungen wie „…nach Informationen der RHEINPFALZ…“ in der Zeitung, handelt es sich in der Regel um Angaben, die „unter zwei“ gemacht wurden.

Die Veröffentlichung setzt voraus, dass wir die Quelle für vertrauenswürdig halten und dass wir die Informationen gegenprüfen. Wichtig ist in dem Fall, dass die Person, die uns die Informationen gibt, im Schutz der Anonymität bleibt, weil zum Beispiel ihre berufliche Position gefährdet sein könnte. Die dritte Kategorie ist „unter drei“. Sie sagt aus, dass die Informationen zunächst gar nicht verwendet werden dürfen und dass sie nur dazu dienen, einen Sachverhalt umfassender einzuordnen oder zu wissen, dass bald eine bestimmte Entwicklung eintreten wird. Es ist sozusagen die höchste Geheimhaltungsstufe.

„Unter drei“ gewinnt in aufgewühlten Zeiten oder im Endspurt einer Landtagswahl aber auch noch eine andere Bedeutung: Der Gesprächspartner gibt nur vor, ganz wichtige Dinge zu wissen, quasi aus dem Maschinenraum der Macht zu kommen. Es werden Sätze gesagt wie: „Das bleibt jetzt aber unter uns: Sie ist genau richtig für unsere Zeit.“ oder „Sie zitieren mich jetzt aber nicht: Wir brauchen den Wechsel. Sie wird nicht alles anders, aber vieles besser machen“ Sollten Sie nun Ähnlichkeiten mit Botschaften auf real existierenden Wahlplakaten entdecken, so ist das kein Zufall. Je näher der Wahltag rückt, je mehr ist die politische Sprache mit Blubberblasen, pardon, mit Werbebotschaften versehen.

Wenn Sie heute Abend um 20.15 Uhr das SWR-Fernsehen einschalten, sind die Informationen garantiert „unter eins“. Dort sitzen nämlich in der sogenannten Elefantenrunde die Spitzenpolitiker der sechs Parteien, die nach den Umfragen der vergangenen Monate Chancen haben, in den Landtag einzuziehen. Von den Linken kommt Spitzenkandidat Jochen Bülow, von der AfD Uwe Junge. Die FDP ist mit Volker Wissing vertreten, die Grünen mit Eveline Lemke und die CDU mit Julia Klöckner. Statt Ministerpräsidentin Malu Dreyer wird SPD-Parteichef Roger Lewentz an der Runde teilnehmen. Dreyer hatte ihr Fernbleiben damit begründet, dass sie der rechtspopulistischen AfD kein Forum bieten wolle. Darüber wäre die ganze Runde beinahe geplatzt. Das wird sicher eines der Themen heute werden.

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Karin Dauscher

Über Karin Dauscher

Karin Dauscher (49) beobachtet die Landespolitik seit 2001. Sie hat Rot-Gelb, Rot und Rot-Grün an der Regierung erlebt, die Einführung der Ganztagsschule, den Streit um den Nürburgring und das Ringen um die Energiewende. Nach einem Studium der Germanistik, der Politikwissenschaft und der Vergleichenden Literaturwissenschaft volontierte sie in der Öffentlichkeitsabteilung der BASF und wechselte 1994 zur RHEINPFALZ. Ihr Kürzel: kad