Als ein Liberaler in seltsame Gesellschaft geriet


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Facebook muss ein ziemlich düsteres Bild von meinen politischen Ansichten haben. Die Datenschleuder will ihren Nutzern passgenau auf deren Interessen zugeschnittene Werbung unterjubeln. Deshalb protokollieren große Speicher immer schön mit, wie ich mich tagelang brennend für die Thesen Pfälzer Neonazis interessiere, ehe ich unvermittelt zu Linksextremisten wechsele. Aber nur, bis mich auf einmal ein paar Islamisten-Profile magisch anziehen.

In Wirklichkeit kümmere ich mich um all diese Hetzer und ihr krudes Zeug nur, weil eine Zeitung auch solche Leute im Blick haben muss.  Aber wer weiß schon, ob Facebook das auch weiß? Vielleicht haben die Datendealer schon vor meinen wirren politischen Interessen kapituliert, die Vorzüge rheinland-pfälzischer Landespolitiker haben sie mir bislang jedenfalls nicht angepriesen. Mit einer Ausnahme: Unter meine Neonazis, Linksextremisten und Islamisten hat sich vor einer Weile ganz ungefragt auch mal der FDP-Landeschef Volker Wissing gemogelt.

Der Landauer  kommt morgen zu uns ins Redaktionsgespräch, in der Freitagsausgabe werden wir darüber berichten. Wieso ausgerechnet sein Profil zu meinen seltsamen Internet-Streifzügen passen soll, ist mir einstweilen ein Rätsel. Aber ich habe auch nie verstanden, wieso mich Facebook vor ein paar Jahren wochenlang auf Stuttgarter Schwulen-Partys schicken wollte.

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Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.