Archiv für den Monat: Februar 2016

Fiebrig


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Was für ein Tag! 29. Februar. Ein zusätzlicher Tag, wie es ihn nur alle vier Jahre gibt. Eingeschoben,  quasi geschenkt – irgendwie magisch. Auch in Zweibrücken: Was für ein Tag hätte das werden sollen! Die SPD wollte dick auftragen: Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich angekündigt. Doch heute Morgen, kurz nach 8, dann die Absage: Gabriel hat 39 Fieber und verbringt den magischen Tag des Jahres im Bett. Vielleicht hatte er auch einfach Angst, was ihn in Zweibrücken an einem 29. Februar erwarten könnte. Westpfälzer Schalttagsbräuche? Wer weiß.

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Bloß keine roten Manschetten


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Selbst der Gemüseeinkauf am Wochenende wird in diesen Tagen zu einem Gradmesser dafür, welche Parteien nach dem 13. März ein Regierungsbündnis eingehen könnten – und welche nicht. Samstagvormittag in einer Gärtnerei im Mainzer Vorort Gonsenheim: Während ich noch überlege, ob ich meiner Familie einen Salat aus Babyspinat zumuten kann oder doch lieber zum bewährten Feldsalat greife, stürmt Peter Schmitz in Anzug und Krawatte in den Verkaufsraum. Ob sie für die Blumentöpfe mit den Osterglocken vielleicht Manschetten habe, fragt der frühere FDP-Landtagsabgeordnete die Eigentümerin der Gärtnerei. Eine ganze Palette der leuchtend gelb blühenden Narzissen will er mitnehmen. „Ich habe im Moment nur rote“, sagt sie. „Nein, keine roten Manschetten“, sagt Schmitz und schüttelt heftig den Kopf. Weiterlesen

Wie weiland unter Adenauer


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Nach alter Landesväter Sitte: Winfried Kretschmann wirbt in Baden-Württemberg um Stimmen. (Foto: dpa)

Eigentlich haben sich die SPD und vor allem die Grünen ihre aktuelle Hauptgegnerin Julia Klöckner selbst eingebrockt. Schließlich waren es zuvörderst die linken Parteien, die Frauen in politischen Spitzenämtern salonfähig gemacht haben. Und in Rheinland-Pfalz waren sie damit so erfolgreich, dass alle drei derzeit im Landtag vertretenen Parteien mit Spitzenkandidatinnen um die Wählergunst werben, auch die einst so konservative CDU.

Ganz anders sieht es in Baden-Württemberg aus, wo ebenfalls am 13. März gewählt wird. Weiterlesen

66894


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Ich bin besorgt. Ich komme aus Käshofen. Dort wohnt auch der Landtagsabgeordnete und -kandidat Fred Konrad (Grüne). Doch seit einigen Wochen frage ich mich, ob er sich dort wirklich heimisch fühlt. Weil er seit 2011 für die Grünen im Landtag sitzt, ist Konrad ohnehin schon seltener daheim als andere Käshofer. Und dann hat er auch noch eine Kinderarztpraxis in Kusel. Und wollte 2014 Oberbürgermeister von Trier werden, wo er auch jetzt noch in einem Chor singt. Sie sehen, der Mann hat viel zu tun, der fährt viel durch die Gegend, mehr als der Durchschnitts-Käshofer. Doch weiß Konrad noch, wo sein Zuhause ist? Weiterlesen

Huch, die gibt’s ja auch noch


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Es ist schon tragisch, wie schnell man in Vergessenheit geraten kann. Eben macht die Bunte noch Homestorys mit dir, wie du mit deinem Labrador im Vorgarten spielst, zack, bist du so uninteressant wie eine Waschmaschine in Kirgisistan. Gunter Gabriel kennt dieses Waschmaschinen-Gefühl allzu gut. Der Schlagersänger produzierte über Jahre Hit nach Hit für sich und andere, dann kamen Alkohol, Scheidungen und der finanzielle Ruin. Was blieb, war ein Hausboot.

Es ist vielleicht etwas gewagt, eine Partei mit Gunter Gabriel zu vergleichen (nein, es ist nicht die FDP), doch die Aufmerksamkeitsökonomie funktioniert immer gleich. Weiterlesen

Julia? Malu? Ambra!


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Könnten Sie diesem Dackelblick widerstehen? (Foto: Luttenberger)

Es gibt Mails, die fangen ganz harmlos an. So wie die von meinem Kollegen Christoph Hämmelmann. Er lobt meine Reportage über meine Dackelhündin Ambra, die am Samstag vergangener Woche in der RHEINPFALZ erschienen ist. Darin beschreibe ich, wie der kleine Vierbeiner innerhalb kürzester Zeit unser Leben auf den Kopf gestellt hat. Leser aus dem ganzen Land haben sich hinter bei mir gemeldet und Fotos ihrer eigenen Dackel geschickt. Bei einem Termin schenkte mir eine Frau sogar Hundeleckerli für den Zeitungshund. Einfach süß.

„Willst Du was dazu bloggen?“, fragt der Kollege aus Ludwigshafen da plötzlich. Weiterlesen

Schwarz = Rot-Grün


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Es gibt sie tatsächlich immer noch im Wahlkampf: Die Zeilen- und Fotozähler,  die uns akribisch nachweisen wollen, dass die RHEINPFALZ einseitig sei, weil wir über den Kandidaten von Partei A zwölf Zeilen mehr geschrieben haben als über die Kandidatin von Partei B und weil wir von Malu Dreyer in einer Woche drei Fotos in der Zeitung hatten, von Julia Klöckner aber nur zwei – oder umgekehrt. Immerhin: Wer unsere politische Berichterstattung so präzise misst, hält sie für einflussreich.

Unsere beiden exklusiven Interviews mit Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in der Ausgabe vom 17. Februar und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Ausgabe vom 25. Februar haben teils völlig gegensätzliche Einschätzungen in unserer Leserschaft hervorgerufen. Weiterlesen

Die geheimnisvolle Hand


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Meine Kollegin Karin Dauscher erklärt Ihnen in der heutigen Ausgabe, wer sich die Sprüche auf den Wahlplakaten ausdenkt. Ein besonders seltsames zeigt Julia Klöckner in einer mysteriösen Situation:  Aus einem Auto heraus greift eine geheimnisvolle Hand nach der Oppositionsführerin. Der dazugehörende Mensch allerdings bleibt im Verborgenen. Mein erster Verdacht: Auf das CDU-Wahlplakat muss sich ein bestimmter ehemaliger SPD-Kommunalpolitiker aus der Vorderpfalz gemogelt haben. Weiterlesen

Kunst in der Landschaft – kann aber bald weg


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Für manche ist alles zu spät: Die Frauen und Männer, die schon fleißig per Briefwahl ihr Votum für die Landtagswahl am 13. März abgegeben haben, sind für die neuen Werbevorstöße der Parteien verloren. Deshalb müssen die letzten Plenarsitzungen des Mainzer Landtages am Mittwoch und Donnerstag für manche Werbestrategen ernüchternd gewesen sein. Im nicht ganz übersichtlichen Eingangsbereich des „Fuchsbaus“, so nennen die Mainzer das Rathaus in Anlehnung an den legendären Oberbürgermeister und Bauherr des Gebäudes, Jockel Fuchs (SPD), waren zeitweise mehr Briefwähler als Abgeordnete unterwegs. Nicht selten folgte einem verzweifelt suchenden Blick die Frage: „Wo ist hier das Briefwahlbüro?“ Ob es den einen oder anderen Abgeordneten gejuckt hat, noch eine letzte Wahlberatung zu geben, ganz persönlich? Ich weiß es nicht. Aber sicher weiß ich, dass die Lenker des Wahlkampfs seit vielen Monaten an den Strategien, den Farben und den Slogans feilen, mit denen sie die Wählerinnen und Wähler von sich überzeugen wollen. Die Plakate, vor allem jene im Großformat, mögen ihnen deshalb wie Kunst in der Landschaft vorkommen. Manche Parteien hängen sogar in drei Wellen immer wieder neue Plakate auf. Wie die nicht immer tiefsinnigen Sprüche auf die Plakate kommen und welche Rolle dabei Namen wie „Gorilla XL“, „Heimat“, „Butter“ oder „Mainzer Ring“ spielen, steht morgen in der RHEINPFALZ.

Warum es bei einem Wahlkampftermin um Frauenhintern ging


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Kartoffelbauer, Abgeordneter, Autopannenkurs-Veranstalter:  Johannes Zehfuß. (Archivfoto: Lenz)

Landtagswahlkampf ist, Verzeihung, für den Arsch. Gut, sagen wir’s etwas feiner: fürs Gesäß. Und genauer: fürs Kandidaten-Gesäß. Dem will sein jeweiliger Besitzer schließlich eine Sitzgelegenheit im Landtag verschaffen. Trotzdem haben Wahlkämpfer noch andere Allerwerteste im Kopf. Der CDU-Abgeordnete Johannes Zehfuß aus dem Rhein-Pfalz-Kreis zum Beispiel denkt auch an Frauenhintern. Und daran, wie sie unbeschadet eine Reifenpanne auf der Autobahn überstehen. Weiterlesen