Die geheimnisvolle Hand


Von

Meine Kollegin Karin Dauscher erklärt Ihnen in der heutigen Ausgabe, wer sich die Sprüche auf den Wahlplakaten ausdenkt. Ein besonders seltsames zeigt Julia Klöckner in einer mysteriösen Situation:  Aus einem Auto heraus greift eine geheimnisvolle Hand nach der Oppositionsführerin. Der dazugehörende Mensch allerdings bleibt im Verborgenen. Mein erster Verdacht: Auf das CDU-Wahlplakat muss sich ein bestimmter ehemaliger SPD-Kommunalpolitiker aus der Vorderpfalz gemogelt haben.

Nur seinen Namen behalte ich für mich, schließlich haben wir von der RHEINPFALZ den Mann in seiner aktiven Zeit schon genug geärgert. Zu den Pflichten seines hohen Amtes gehörte es, immer wieder verdiente Mitbürger auszuzeichnen. Und dann mit ihnen für ein Erinnerungsfoto zu posieren. Wenn so eine Aufnahme auch in die Zeitung kam, schnitten wir Redakteure den Genossen regelmäßig weg. Denn wir vermuteten: Gar so oft wollen unsere Leser ihn doch nicht sehen. Und außerdem, so dachten wir, gehe es doch gar nicht um ihn, sondern die um die von ihm Geehrten.

Er selbst sah das ein wenig anders. Nicht etwa, weil er partout in die RHEINPFALZ wollte, wie er beteuerte. Sondern weil sich die verdienten Bürger gleich noch viel geehrter fühlen würden, wenn sie sich auch auf dem Zeitungsfoto in seinem Glanz sonnen könnten. Die Überlegung war wahrscheinlich gar nicht so abwegig, wie sie nun vielleicht klingen mag. Doch wir ließen uns nicht erweichen. Also ging er, so schien es uns jedenfalls, dazu über, den Geehrten ausdauernd die Hand zu schütteln und sie erst wieder loszulassen, wenn die Fotografen ihr Werk verrichtet hatten. Wir allerdings blieben trotzdem eisern.

Daher erschienen nun bisweilen Bilder, die verdiente Bürger zeigten – und eine nach ihnen greifende Hand ohne dazugehörigen Menschen. Was ziemlich genau der Szenerie auf dem Klöckner-Wahlplakat entspricht. Nach etwas längerem Nachdenken schließe ich aber trotzdem aus, dass der SPD-Kommunalpolitiker aus der Vorderpfalz seine Rechte wieder einmal in bewährter Manier auf ein Bild gemogelt hat. Denn nach einer Weile hatte er sich noch einmal weiterentwickelt: Er tauchte vermehrt genau in der Mitte zwischen mehreren Geehrten auf. Und da konnten auch wir nichts mehr machen: Sein Konterfei kam halt doch in die Zeitung.

Beim noch längerem Nachdenken allerdings dämmert mir: Es gibt auf dem Plakat weit und breit keinen dritten Menschen, den dieser Meister der ertrotzten Ablichtung für seine abdrucksichere Mittelposition gebraucht hätte. Ob der Genosse also vielleicht doch …? Ich muss noch einmal nachdenken.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .
Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.

Ein Gedanke zu „Die geheimnisvolle Hand

  1. Walter Mayer

    Na so was, das überracht mich nun doch sehr ! Sollte die Rheinpfalz tatsächlich nicht in der Lage sein, auch zwischen zwei Personen aus einem Bild die Dritte herauzufiltern, dann empfehle ich künftig zur Lösung derartiger Probleme die Software Cutout von Franzis !
    *grins

Kommentare sind geschlossen.