Ab in den Abwurfschacht


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Hiobsbotschaft aus dem Küchenstudio: Es gibt keine Spülen mit Abwurfschacht mehr! Wie? Ja, werden nicht mehr gebaut, sagt der Fachverkäufer. Also, so gut wie nicht mehr. Dieses Küchenstudio zumindest hat keine Spülen mit Abwurfschacht mehr im Angebot. Das nächste auch nicht.

Wie kann etwas so Sinnvolles von den edelstahlverliebten Küchenplanern einfach abgeschafft werden? Wieder einmal ein Beweis dafür: Design ist das Gegenteil von Praktisch. Denn ob Gemüseabfall, Kaffeefilter oder Eierschalen – einfach Deckel auf und ab in den Abwurfschacht. Wie kommen Leute überhaupt ohne den zurecht? Was machen sie mit ihrem Bioabfall?

Und überhaupt: Dieser Abwurfschacht ist mehr als ein Stück Plastik oder Metall, das unter der Spüle in eine Müllbox mündet. Er ist eine Idee, er macht den Kopf frei. Alles was einen ärgert, alles was einen stört – ab damit in den Abwurfschacht. Rein gedanklich natürlich. So ein Ding ist deshalb gerade in Wahlkampfzeiten unentbehrlich. Polemiken, Wortschwall, Gezänk und Gekeife, kleinkarierter Hickhack – ja wohin damit? In den Abwurfschacht.

Übrigens: Bevor wieder jemand „Lückenpresse“ oder gar „Lügenpresse“ skandiert, wollen wir etwas nachtragen. An dieser Stelle hatten wir moniert, dass die Wahlkampfzentrale der Grünen uns trotz mehrmaligen Nachhakens keine Kandidatenfotos geschickt hatte (gestern kamen übrigens die ersten). Auch die AfD hat bisher keine Kandidatenbilder geliefert. Jetzt haben wir diese Angelegenheit endlich lückenfrei dargestellt und sie kann nun weg – ab in den Abwurfschacht …

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Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.