Archiv für den Autor: Karin Dauscher

Karin Dauscher

Über Karin Dauscher

Karin Dauscher (49) beobachtet die Landespolitik seit 2001. Sie hat Rot-Gelb, Rot und Rot-Grün an der Regierung erlebt, die Einführung der Ganztagsschule, den Streit um den Nürburgring und das Ringen um die Energiewende. Nach einem Studium der Germanistik, der Politikwissenschaft und der Vergleichenden Literaturwissenschaft volontierte sie in der Öffentlichkeitsabteilung der BASF und wechselte 1994 zur RHEINPFALZ. Ihr Kürzel: kad

Kunst in der Landschaft – kann aber bald weg


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Für manche ist alles zu spät: Die Frauen und Männer, die schon fleißig per Briefwahl ihr Votum für die Landtagswahl am 13. März abgegeben haben, sind für die neuen Werbevorstöße der Parteien verloren. Deshalb müssen die letzten Plenarsitzungen des Mainzer Landtages am Mittwoch und Donnerstag für manche Werbestrategen ernüchternd gewesen sein. Im nicht ganz übersichtlichen Eingangsbereich des „Fuchsbaus“, so nennen die Mainzer das Rathaus in Anlehnung an den legendären Oberbürgermeister und Bauherr des Gebäudes, Jockel Fuchs (SPD), waren zeitweise mehr Briefwähler als Abgeordnete unterwegs. Nicht selten folgte einem verzweifelt suchenden Blick die Frage: „Wo ist hier das Briefwahlbüro?“ Ob es den einen oder anderen Abgeordneten gejuckt hat, noch eine letzte Wahlberatung zu geben, ganz persönlich? Ich weiß es nicht. Aber sicher weiß ich, dass die Lenker des Wahlkampfs seit vielen Monaten an den Strategien, den Farben und den Slogans feilen, mit denen sie die Wählerinnen und Wähler von sich überzeugen wollen. Die Plakate, vor allem jene im Großformat, mögen ihnen deshalb wie Kunst in der Landschaft vorkommen. Manche Parteien hängen sogar in drei Wellen immer wieder neue Plakate auf. Wie die nicht immer tiefsinnigen Sprüche auf die Plakate kommen und welche Rolle dabei Namen wie „Gorilla XL“, „Heimat“, „Butter“ oder „Mainzer Ring“ spielen, steht morgen in der RHEINPFALZ.

Im Visier der Cyberanalysten


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Wenn Alex Lemmer über den Wahlkampfauftritt von Ministerpräsidentin Malu Dreyer, zugleich Spitzenkandidatin der SPD, in Mayen spricht, ist ihm die Irritation noch anzumerken. „Und dann kommt mein Chef und sagt, dass die Polizei mich sprechen will“, schildert er sein Erlebnis vom Montagnachmittag. Lemmer ist 50, ein Mann mit Bürstenhaarschnitt, Drei-Tage-Bart und Ohrring – und er ist Motorsportfan. Mit seinen „Wippermann-Freunden“, benannt nach einem Streckenabschnitt des Nürburgrings, zeltet und feiert er gerne an der legendären Eifel-Rennstrecke. Die Fans des Rings sind nicht gut auf die Landesregierung zu sprechen. Nach dem politischen Desaster um den Ausbau zum Freizeitpark und die Finanzierung mit windigen Geschäftsleuten ging die landeseigene Betreibergesellschaft in die Insolvenz. Nun gehört der Nürburgring russischen Investoren um den Milliardär Viktor Charitonin.

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Ein Hauch von Abschied


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Montags vor den Plenarsitzungen des Mainzer Landtags werden die Journalisten „gebrieft“, wie es im neudeutschen Umgangston heißt. Die Fraktionen stellen den Medien vor, welche Gesetzesentwürfe und Anträge ihrer Auffassung nach besonders wichtig sind. Es ist zu einem Ritual geworden in den fünf Jahren dieser 16. Wahlperiode: Erst sitzen die landespolitischen Korrespondenten bei den Grünen im ersten Stock des Abgeordnetenhauses. Dann gehen sie zur SPD ein Stockwerk höher. Die CDU ist irgendwann im Laufe der Jahre auf den Freitag ausgewichen, um schon vor allen anderen die Meinungsdeutung zu beeinflussen. Ob die Berichterstattung dadurch eine andere geworden ist? Ich glaube kaum. Weiterlesen

Demo statt Wahlstand


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An Samstagen wie diesem, an denen es nass und ungemütlich ist, zeigen sich die wahren Helden unter den wahlkämpfenden Politikern. Schon morgens auf dem Wochenmarkt den Wahlstand aufbauen, später noch in der Fußgängerzone Flyer und Kugelschreiber verteilen und abends in irgendeiner Halle auf Stimmenfang gehen. Heute haben sich die Wahlkämpfer in der Landeshauptstadt noch ein besonderes Los auferlegt. Sie wollten die Pressefreiheit schützen. Deshalb zogen die  Mainzer Abgeordneten Doris Ahnen (SPD), im Hauptberuf Finanzministerin, der CDU-Parlamentarier Gerd Schreiner und  der Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler zu einer Demonstration in Richtung Südwestrundfunk. 300 Teilnehmer hatten sich dort zu einem Bündnis für Pressefreiheit versammelt. Bekannte Publizisten, darunter Michel Friedmann, hielten Reden auf die Vorzüge der offenen Gesellschaft. Anlass war eine rechtsextreme Kundgebung. Weiterlesen

Der Wahlkampf im Postfach


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Politische Korrespondenten sollten in der heißen Phase des Wahlkampfs keinen freien Tag nehmen. Das Postfach quillt über mit den in Pressemitteilungen verpackten hitzigen Wortgefechten der Parteien und Fraktionen. Kleine Kostprobe vom gestrigen Montag gefällig? Es beginnt mit dem Landespressedienst der Staatskanzlei, der dreimal täglich veröffentlicht wird: „Ministerpräsidentin Malu Dreyer / Ministerin Alt: Rheinland-Pfalz ist Vorreiter bei der Registrierung.“ Seit das Land Anfang Dezember dazu übergegangen ist, die Flüchtlinge nicht mehr per Strichliste zu zählen, sondern Fingerabdrücke zu nehmen und die Daten in ein System einzuspeisen, in dem sie mit Daten des Bundeskriminalamtes abgeglichen werden, weist Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bei jedem öffentlichen Auftritt darauf hin. Also täglich. Reflexhaft reagiert die CDU-Opposition, so auch gestern: „Aktionismus kann Versäumnisse nicht überdecken“, schreibt der integrationspolitische Sprecher Adolf Kessel.

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„Faire Liebe“ statt Wahlkampf


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Die kleinen Parteien haben es schwer, mit ihren Forderungen im Wahlkampf gehört zu werden. Wenn beispielsweise Rainer Hilgert mehr Lehrer und mehr Polizisten fordert, werden viele Leute fragen: „Rainer wer?“ Rainer Hilgert ist Spitzenkandidat der ÖDP, außerdem Unternehmer und Mitglied des Stadtrats in Münstermaifeld in der Eifel. Seine Ideen für Rheinland-Pfalz sind im Fall der Lehrer und der Polizisten auch nicht das, was Marketing-Leute ein „Alleinstellungsmerkmal“ nennen. Das macht es noch schwerer, in der Öffentlichkeit durchzudringen. Doch heute ist es der Partei gelungen – bei mir zumindest. „Echte Liebe ist fair!“ steht über einer Pressemitteilung der ÖDP, die zwischen mehr als hundert anderen Mails das Postfach unseres Mainzer Landesbüros füllt. Soll das ein Appell an die Mitbewerber um die Sitze im Landtag sein? Mitnichten: „Die Partei ermuntert alle Liebenden zum Kauf fairer Rosen oder fairer Schokolade zum Valentinstag.“ Das hat zwar nichts mit der Landespolitik zu tun, aber so ist das nun einmal in Wahlkampfzeiten. Und jetzt ein kleines Rätsel: Von welcher Partei ist folgende Überschrift? „Zum Glück habe ich 1000 Freunde, aber das blaue „f“ ist nicht mein Freund.“

 

Der Wahlkampf pausiert


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In der Mainzer Innenstadt sind die ehrenamtlichen Wahlhelfer und die Dienstleister seit Donnerstag unterwegs, um die Wahlplakate einzusammeln. Einsammeln? Ja, Sie haben richtig gelesen. Fünf Wochen vor der Landtagswahl geben es die Parteien zwar nicht auf, um die letzte Wählerstimme zu kämpfen, aber sie schonen ihr Material. Die Straßenfasnacht wütet in der Landeshauptstadt. Der große Rosenmontagszug ist zwar wegen des Sturms abgesagt.  Trotzdem werden viele Narren in Kneipen und auf der Straße feiern. In närrischer Laune oder im Alkoholrausch könnten Passanten das Konterfei von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) oder das von Julia Klöckner (CDU) ruinieren. Die textlastigen Botschaften der Grünen könnten auf körperliche Abwehr treffen. Deshalb ist das Wegräumen für einige Tage sicherer.

Schaut die Fernsehkamera weg, hilft Twitter


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Wie Politiker um mediale Aufmerksamkeit ringen, war gestern Abend bei der Fasnachtsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ im ZDF schön zu beobachten. Nicht alle sind prominent genug, um als Ehrengäste begrüßt zu werden. Der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Daniel Köbler, und die grüne Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner meldeten sich vielleicht deshalb per Twitter aus dem kurfürstlichen Schloss in Mainz. CDU-Landeschefin Julia Klöckner twitterte, obwohl sie begrüßt wurde:  „Bis zum Ende der Sitzung ist die Hochstraße Ludwigshafen geklärt“, schrieb sie zu einem Bild, das sie gemeinsam mit der Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigt. Da sind wir aber auf das Ergebnis gespannt!

Ruhig blieb es dagegen an der Twitterfront, als sich auf der Bühne Detlev Schönauer alias „Ein Lehrer“ vor dem Millionenpublikum über den Pfälzer Dialekt lustig machte, ihn als Anti-Erotikum darstellte. Keine Reaktion vom Südpfälzer SPD-Mann Alexander Schweitzer, auch nichts von Christian Baldauf (CDU) aus Frankenthal. Später äußerte sich Baldauf per SMS: Der Auftritt Schönauers sei nur ein rheinhessischer Hilferuf nach Aufmerksamkeit gewesen. Für die Pfälzer gelte: „Was interessiert es eine deutsche Eiche, wenn sich eine S… an ihr reibt?“ Und wie heißt das auf Pfälzisch?

Was den Mainzer Narren zur Landtagswahl und dem Duell der beiden Spitzenfrauen Malu Dreyer und Julia Klöckner eingefallen ist, lesen Sie morgen in RHEINPFALZ am SONNTAG.