Archiv für den Autor: Christoph Hämmelmann

Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.

Das Kreuz mit dem Kreuz


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Ein paar gescheiterte (Ex-)Politiker wollen, so dürfen wir getrost vermuten, die Landtagswahl jetzt möglichst schnell vergessen. Leicht macht man ihnen das nicht. Schließlich hängen mancherorts sogar noch ihre Fotos herum. Um auf andere Gedanken zu kommen, könnten sie nun zum Beispiel in tiefsinnige Lektüre fliehen. An den kommenden Feiertagen empfiehlt sich etwas Geistliches. Das lenkt nicht nur ab, sondern führt auch gleich vor Augen, wie vergänglich Sieg und Niederlage doch sind. Besonders deutlich wird der 1890 gestorbene John Henry Kardinal Newman. „Geht in die politische Welt“, schreibt der katholische Geistliche, ganz offenkundig mit innerem Schaudern. „Überblickt die verschiedenen Rangstufen in der Gemeinschaft, ihre Parteien und ihre Kämpfe, das Ringen der Ehrgeizigen, die Ränke der Schlauen.“ Alles nur „Tumult“, stöhnt der Feingeist. Und stellt dann dagegen: „Das Kreuz.“ Das Kreuz? O je. Der Kardinal hat gar nicht gemeint, woran ein paar gescheiterte (Ex-)Politiker jetzt sofort wieder denken werden. Trotzdem, man macht es ihnen wirklich nicht leicht, die Landtagswahl möglichst schnell zu vergessen.

Koalitionsknutschen nach Fernseh-Vorbild


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Landespolitiker können vom Privatfernsehen lernen. In Mainz müssen die Parteien jetzt irgendwie herausfinden, wer mit wem in den nächsten fünf Jahren herumkoalieren will. Dazu werden sie erst einmal Vorgespräche führen. Und dann Sondierungsgespräche. Und dann Koalitionsverhandlungen. Und dann Gespräche mit den eigenen Leuten, denen sie die Ergebnisse der Vorgespräche, Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen erklären. Also wird erst nach wochenlangem Gezerre feststehen, wer mit wem die neue politische Lebensabschnittsbeziehung eingeht. Dabei ginge das alles viel einfacher. Und schneller. „Pro Sieben“ macht es mit einer neuen Kuppelshow vor. Weiterlesen

Pugiones a palatinis educti sunt


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Idibus Martiis in factione viridi pugiones a palatinis contra eos educti sunt, qui ei adhuc in Rheno-Palatinatu praeerant. Qui tanta mole cladis in electionibus acceptae excitati novam agendi rationem poposcerint et Danielem Köbler et Ebelinam Lemke obtrectationibus impetiverint et quibus pactoribus eiusdem factionis nunc cum factione sociali democratica cumque factione liberalium de coitione facienda agendum sit, in actis diurnis RHENOPALATIAE hodie editis legi potest.

Dieser Text wird Ihnen mit freundlicher Unterstützung eines Dr. theol., eines Studienrats mit den Fächern Latein, Religion und Philosophie sowie einer Studienrätin mit den Fächern Latein und Mathematik präsentiert. Wer trotzdem Fehler findet, kann im Kommentarbereich auf sie aufmerksam machen. Auch Übersetzungsvorschläge sind willkommen.

Die Iden des März oder: καὶ σὺ τέκνον


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Heute können die Wahlverlierer sich in Mainz dem Untergang des Abendlands entgegenstemmen und seine Traditionen pflegen. Schließlich schreiben wir den 15. Tag des dritten Monats und mithin seine Mitte, oder, um es ein wenig oberstudienrätlicher zu formulieren: die Iden des März. Das ist jener Tag, an dem anno 44 vor Christus eine Gruppe von Senatoren ihre Unzufriedenheit mit Gaius Julius Cäsar überdeutlich zum Ausdruck brachte: Sie rammten dem römischen Alleinherrscher Dolche in den Leib und beendeten somit neben seinem Leben auch seine politische Karriere. Weiterlesen

Am Tag danach


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Na danke. „Du siehst müde aus“, hat mir vorhin eine Kollegin gesagt. Zum Glück lacht die Sonne, da kann ich die Augenringe hinter einer dunklen Brille verstecken. Aber es ist ja auch spät geworden gestern. Trotzdem muss es heute weitergehen. Mein Kollege Andreas Ganter zum Beispiel hat eben den Pirmasenser Oberbürgermeister Bernhard Matheis interviewt. Der wäre wohl Chef der Staatskanzlei geworden, wenn die CDU die Wahl gewonnen hätte. Warum es anders gekommen und ob er jetzt enttäuscht ist, lesen Sie morgen in der gedruckten RHEINPFALZ, in unserer App und auf unserer Internet-Seite. Andreas Ganter sieht übrigens auch gar nicht müde aus. Vielleicht liegt es ja daran, dass er kleine Kinder hat. Und er das schlaflose Leben daher sowieso gewohnt ist.

Unentschieden bis in letzter Minute


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Warum nur so kompliziert? Jede Menge Spitzenkandidaten sind heute in ihrem jeweiligen Wohnort an die Urne marschiert:  Julia Klöckner (CDU) um 10.30 Uhr in Bad Kreuznach, Malu Dreyer (SPD) um 11 Uhr in Trier, Daniel Köbler (Grüne) um 11 Uhr in Mainz, Jochen Bülow (Linke) um 11 Uhr in Niederwambach, Volker Wissing um 11 Uhr in Barbelroth, Eveline Lemke (Grüne) um 12.30 Uhr in Sinzig. Dabei wären sie alle doch klassische Briefwähler. Sie waren in den vergangenen Tagen so gut wie nie daheim, und am Wahltag haben sie auch schon wieder berufliche Verpflichtungen: Seit dem Nachmittag dürften sie allesamt wieder in Mainz sein. Eigentlich gibt es für ihren Verzicht auf die praktische Briefwahl nur eine denkbare Erklärung: Sie konnten sich wirklich erst in allerletzter Minute entscheiden, bei welcher Partei sie ihr Kreuz machen. Oder?

Hallo Mainz? Haaaallo!?!


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In dem Punkt waren sich im Wahlkampf eigentlich alle Parteien einig: Das Internet in Rheinland-Pfalz muss noch schneller werden. Manchmal allerdings funktioniert sogar das Telefonieren nicht so richtig. Die Politiker und ihr Redebedarf scheinen derzeit die Mobilfunknetze in der Landeshauptstadt zu überlasten. Weiterlesen

Lassen Sie uns über Stifte reden. Jetzt.


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Manchmal muss man sich als Journalist unbeliebt machen. Etwa, wenn man mitten in der Auszählphase – also jetzt –  gestresste Beamte (ja, so etwas gibt es!) anruft und mit ihnen über Stifte reden will. Besorgte Bürger haben sich im Laufe des Tages auch bei der RHEINPFALZ beschwert: Sie hätten ihr Kreuz mit Bleistift machen müssen. Das könnte jetzt ausradiert und heimlich an eine andere Stelle gesetzt werden. Skandal? Tatsächlich steht in der Landeswahlordnung: „In der Wahlkabine soll ein nicht radierfähiger Schreibstift bereitliegen.“ Weiterlesen

Rückwärts vom Hof


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Was für ein Auftakt für einen Wahlabend: Das Buffet und ich, wir sind vorhin praktisch gleichzeitig in der Redaktion eingetroffen. Das Auto mit dem Futter an Bord ist von unserem Chef von Dienst persönlich auf den Hof gewunken worden. Das Auto mit mir am Bord musste sich rückwärts wieder rausfädeln: Alles voll. Vielleicht gründet mein Wagen ja eine Selbsthilfegruppe mit den Autos von ein paar bisherigen CDU- und Grünen-Abgeordneten, die demnächst in Mainz keinen Stellplatz mehr haben.