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Rebekka Sambale

Über Rebekka Sambale

1989 geboren, hat wohnortbedingt ihre Kreuzchen bei Landtagswahlen bislang nur in Baden-Württemberg und in Niedersachsen gesetzt. Neben Politikwissenschaft hat die RHEINPFALZ-Volontärin auch Musikwissenschaft studiert und die Erfahrung gemacht: So mancher Wahlkampf hat mehr leise Zwischentöne als die längste Sinfonie.

Eine gute Nachricht


Von

70,4. Ist das nicht die eigentliche Gewinner-Zahl der Landtagswahl? 70,4 Prozent der wahlberechtigten Rheinland-Pfälzer haben ihre Stimme abgegeben.

Das bedeutet: 70,4 Prozent dieser Leute haben sich mindestens einen kurzen Moment lang Gedanken darüber gemacht, wohin sie ihr Kreuzchen setzen. 70,4 Prozent der Menschen haben sich am Sonntag bewusst auf den Weg ins Wahllokal gemacht oder bereits Tage vorher per Briefwahl gewählt. Und sie alle haben verstanden, dass Wählen sie angeht. Und eben auch Landespolitik sie angeht. So hoch war die Wahlbeteiligung seit 1996 nicht mehr.

2,16 Millionen Rheinland-Pfälzer haben in diesem Jahr ihre Stimme abgegeben. Das waren knapp 253.000 mehr, als vor fünf Jahren, wie man in den Analysen des Statistischen Landesamtes nachlesen kann. Den höchsten Wählerzuwachs gibt es landesweit übrigens in der Stadt Speyer und im Landkreis Birkenfeld mit einer um 10,8 Prozentpunkten höheren Wahlbeteiligung als bei der vergangenen Landtagswahl.

Jedes Wahlergebnis sagt etwas aus. Über die, die es produzieren. Also über uns. Das Ergebnis muss deshalb diskutiert, vor allem auch analysiert werden. Das werden wir in den nächsten Tagen weiterhin machen. Auch heute lesen Sie mehrere Artikel unserer Redakteure dazu in der gedruckten RHEINPFALZ, in der App, oder online.

Manche Leute haben das Gefühl, die Medien berichten immer nur über Sensationen und schlechte Nachrichten. Ich finde: 70,4 Prozent – das ist eine gute Nachricht!

Ins Rollen gekommen


Von

Da können noch viele E-Autos und Segways die Straße hinabrollen; der Wahlkampfbus ist nicht kaputt zu kriegen. Seit Jahren ist er Presse-Begleitungs-Journalisten-Kutsche, Werbegeschenk-Depot, rollendes Wahlplakat und schlichtweg Transportmittel für Spitzenpolitiker und ihr Team.

Und wer ist Pionier des Werbe-Vehikels? Etwa der Papst, mit seinem Papamobil?

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Houston, wir haben eine Herausforderung!


Von

Manchmal gucken Politiker bei Managern ab. In einigen Unternehmen soll Gerüchten zufolge das Wort „Problem“ verpönt sein. Stattdessen regiert dort die „Herausforderung“ in Kreisen zukünftiger aufstrebender Führungspersönlichkeiten. Klingt halt besser, dynamischer. Klingt nach: Wir sind auf dem Weg. Und: Wir schaffen das. Oder so ähnlich.

Auch Parteien haben ihre schlauen Wahlkampfberater, die sich mit den unterschwelligen Schwingungen der Probleme und Herausforderungen auskennen. Weiterlesen

Guck mal: Kultur!


Von

Am 20. Januar 2013 saß ich in der Staatsoper Hannover. Es war Tag der Landtagswahl in Niedersachsen, ich war Studentin in der norddeutschen Landeshauptstadt. Eine Kommilitonin gab mir immer wieder die aktuellen Hochrechnungen per SMS durch. Rot-Grün löste Schwarz-Gelb ab. Stephan Weil wurde Ministerpräsident.

Für den Abend des 13. März 2016 habe ich mir bislang noch keine Opernkarte gekauft. Das politische Theater in Rheinland-Pfalz verspricht, dramatisch genug zu werden. Weiterlesen

Der atmende Deckel


Von

Da müssen wir nochmal nachblättern. Ein Kollege dachte direkt an Harry Potter – als Julia Klöckner vom „atmenden Deckel“ sprach. Ein geheimes Utensil der Hogwarts-Küche? Oder eher Lehrstoff in Hagrids Pflege magischer Geschöpfe? Eine Kollegin belegte während des RHEINPFALZ-Redaktionsgesprächs mit der CDU-Spitzenkandidatin unterdessen die Theorie eines älteren Blog-Beitrags: dass Redakteure in langen Konferenzen kreativ werden. Ihre künstlerischen Ergebnisse sehen Sie unten.

Ich musste beim atmenden Deckel an einen Schnellkochtopf denken. Und an Kartoffeln. Und Grünkohl. Lecker.

Julia Klöckner verwendete den Begriff aber in sehr ernster Sache. Nämlich als es beim RHEINPFALZ-Redaktionsbesuch um Flüchtlingspolitik ging. Sozusagen: Deckel drauf, aber durchlässig. Oder eben atmend. „Flexible Tageskontingente“ sagte sie auch.

Leider hat die RHEINPFALZ nicht das Ersthörer-Recht an dem schönen Begriff. Er fiel bereits in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Dezember.

Wobei, ganz ehrlich: Der Begriff ist geklaut. Aus der Diskussion um das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG. Da geht es beim atmenden Deckel um die Einspeise-Vergütung von Photovoltaik-Anlagen. Also eigentlich Kernkompetenz der Grünen. Deren Spitzenkandidatin Eveline Lemke sagte in unserem Redaktionsgespräch aber nichts über Küchenutensilien, sondern zitierte lieber Nietzsche. Da müssen wir dann auch nochmal nachblättern.

Klöckners kreative Wortspiele regen auch die kreativen Zuhörer an. Hier der atmende Deckel auf dem Block einer Kollegin.

Kreative Begriffe regen kreative Zuhörer an: der atmende Deckel auf dem Block meiner Kollegin. (Foto: privat)

Wer hat an der Uhr gedreht?


Von

Es ist der kurioseste Moment jeder Silvesterfeier: Der Countdown. Wenn Menschen auf Armbanduhren und Handys starren, dann lautstark Sekunden runterzählen. Jeder zählt andere Sekunden. Weil jede Uhr ein wenig anders tickt. Auf einer durchschnittlichen gut organisierten Silvesterfeier gibt es mindestens sieben unterschiedliche Jahresanfänge.

Countdown ist modern. Alle zählen: die Tage bis zum Ruhestand, die Wochen bis zur Geburt des Kindes – oder bis zum Dürkheimer Wurstmarkt. Elementare Lebensereignisse eben.

Die CDU Rheinland-Pfalz und die Grünen Rheinland-Pfalz zählen auch: die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zur Landtagswahl. Wobei zwischen der Zeitrechnung von Grünen und CDU laut Countdown auf deren Internetseiten genau sieben Stunden und 57 Sekunden Unterschied liegen. Weiterlesen

Eine ganz besondere Gemeinde


Von

Es gibt eine Gemeinde in Rheinland-Pfalz. Sie heißt Facebook. Die Finanzlage ist unklar, auch die Kirche steht nicht mehr im Dorf. Aber es gibt eine Bürgersprechstunde.

Julia Klöckner hat gestern zum dritten Mal zu den Einwohnern von Facebook gesprochen, live und per Video, um deren Fragen zu beantworten: zu Windkraft, zum Plan A 2. Sehr sachlich das alles. Dabei war es in der ersten Bürgersprechstunde Ende Dezember noch privater hergegangen. Wie Klöckner denn Weihnachten feiere, hatte damals ein Einwohner gefragt. Klöckner entschieden: „Experimente mache ich keine.“ Keine Experimente? Das hat doch schon mal einer gesagt, Neunzehnhundert … Tradition wird in der Gemeinde Facebook eben groß geschrieben.

Gestern aber verwehrte sich Klöckner standhaft aller persönlichen Kommentare. („Die Frau ist sowas von hübsch.“ „Julia, lass uns PN machen.“ Weiterlesen

Ein Buchstabe zu viel


Von

Aktualisierung: Freitag, kurz nach 15 Uhr. Alles wieder korrekt bei der FDP. Anscheinend lesen findige Wahlkampf-Team-Menschen unser Blog. Dörrmoschel heißt auf der Partei-Website nun wieder Dörrmoschel. Vielleicht klappt es dann ja am 13. März auch mit den fünf Prozent …

Müssen wir uns nach der Sache mit dem Navigationsgerät Sorgen um den FDP-Spitzenkandidaten und seinen Orientierungssinn machen? Nein, nicht etwa wegen des Wahlprogramms, mit dem der Liberale inhaltlich eine überraschende Linkskurve fährt. Sondern wegen eines geplanten Ausflugs in die Nordpfalz. Laut Homepage der Landes-FDP möchte Volker Wissing nächste Woche einen Milchviehbetrieb in Dörrnmoschel besuchen.

Ja, das ist ein „n“ zu viel. Nein, das hat bei Wissings Wahlkampf-Team wohl noch niemand bemerkt. Ja, diese Zieleingabe wird sogar ein freiheitlich demokratisches Navi überfordern. Wo Wissing und seine Kollegen dann wohl landen? Jedenfalls nicht in der schönen Gemeinde nahe Rockenhausen.

Und ja, es bleibt auch fraglich, ob sich die etwa 150 Menschen in Dörrmoschel – so heißt es korrekt – für Venture-Capital-Gesetze und Risikokapitalfinanzierung zur Unternehmensgründung begeistern können; so wie Wissing.

Vor etwas über einem Jahr hatten viele Einwohner in den Dörrmoschel benachbarten Gemeinden im Donnersbergkreis ganz andere Probleme. Ein Unwetter hatte am 20. September 2014 Dörfer, Häuser, Gärten, Existenzen unter Wasser gesetzt. Noch bei einigen Neujahrsempfängen in diesem (!) Jahr waren die Sanierungsarbeiten Thema.

Damals, 2014, ging es vor Ort übrigens auch um Landespolitik. Es hagelte in den betroffenen Gemeinden Kritik an der Landesregierung, die sich unangenehm lange überlegen musste, ob sie die Flut im Moscheltal als Elementarschadenereignis anerkennt. Elementarschadenereignis. Auch so ein kompliziertes Wort. Komplizierte Wörter können Menschen verunsichern. Bei einem Navi reicht dazu schon ein falscher Buchstabe.