Archiv für den Autor: Rolf Schlicher

Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.

Ich wähle „Weinblog“


Von

Kurze Rückblende in die Wahlnacht. Das RHEINPFALZ-Pressehaus in Ludwigshafen. Es  ist schon Montag, kurz vor 1 Uhr. Alles ist im Kasten, der Schreibtisch grob aufgeräumt. Ich gehe noch einmal beim Chef vom Dienst-Büro vorbei. Dort sitzt immer noch Alexander Sperk.

Wein / Weinberge

Die richtige Wahl: ein Schluck Pfälzer Wein mitten in den Weinbergen. (Foto: Franck)

Wir winken uns kurz zu. Sperk hat Tage und Wochen zuvor Tabellen, Grafiken und Wahlseiten von der technischen Seite her vorbereitet. Dazu den Datenfluss mit dem Landeswahlleiter abgestimmt. Da muss ein Rädchen ins andere greifen. Mit unserem Südwest-Ressort, bei dem die Fäden der landespolitischen Berichterstattung zusammenlaufen, gab es zwangsläufig viele Absprachen. Immer wieder wurde das Erscheinungsbild der Wahlberichterstattung in der Montagausgabe weiter optimiert. Sperk und ich verstanden uns blind. Es war eine tolle Zusammenarbeit. Bis zum * in der Legende.

Ein kurzes Winken am Ende des Tages. Als ich am Montag in die Redaktion komme, laufe ich zuerst am Chef vom Dienst-Büro vorbei. „Mal schauen, ob er immer noch da sitzt“, denke ich scherzhaft. Aber der Stuhl ist leer. Weiterlesen

Prost Berta!


Von

„Die rote Berta“ heißt das Infoblatt der Neustadter SPD. Vor der Landtagswahl wurde eine Ausgabe verteilt mit einer etwas zwiespältigen Botschaft in der Titelzeile: Unter dem roten SPD-Würfel prangte ein rotes, verbeultes, dahin siechendes Baustellenschild. Natürlich wollten die Neustadter Genossen damit eigentlich die Probleme aufs Korn nehmen, die CDU-Oberbürgermeister Löffler seiner Stadt bereitet. Aber bei mir blieb haften: Baustelle SPD.

„Die rote Berta“ kam mir wieder in den Sinn, als wir gestern noch einmal die SPD-Ergebnisse bei der Landtagswahl unter die Lupe nahmen. Die sind nämlich in der Pfalz fast durchweg miserabel. Dass Malu Dreyer dennoch in letzter Minute so stark aufholte, verdankt sie den teils deutlichen SPD-Zugewinnen in anderen Landesteilen. Aber wieso kam die SPD in der Pfalz so auf Talfahrt? Weiterlesen

Ampel nur mit B 10-Ausbau, wetten?


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Vor drei Wochen fuhr Bundeskanzlerin Angela Merkel von einem Wahlkampfauftritt in Landau zum nächsten nach Pirmasens. Als sie dort aus dem Auto stieg, sagte sie einen Satz, der Balsam für die Pirmasenser Seele war: „Einmal auf der B 10 fahren – und man ist überzeugt, dass sich da etwas ändern muss.“

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Kam im Auto nach Pirmasens: Angela Merkel. (Foto: dpa)

Wie Merkel geht es täglich tausenden von Autofahrern – die Nadelöhr-Straße nervt. Geändert hat sich am Wahlsonntag schon einmal, dass der bisherige rote Wahlkreis Pirmasens-Land schwarz wurde. CDU-Kandidatin Susanne Ganster siegte. Ob sich bei der B 10 was ändert, das werden wir morgen wissen. Denn dann legt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den neuen Bundesverkehrswegeplan vor. Das wird spannend. Nach Merkels Worten umso mehr. Weiterlesen

Hätte, hätte – Fahradkette


Von
fahrradkette

An Fahrt verloren: Rad ohne Kette. (Foto: dpa)

Was wäre, wenn der rheinland-pfälzische Landtag zu dem Zeitpunkt gewählt worden wäre, den die Verfassung bisher eigentlich vorgesehen hatte: Dort hieß es, dass die Neuwahl frühestens 58 und spätestens 60 Monate nach Beginn der Wahlperiode stattfinden muss. Die Wahlperiode beginnt mit der ersten Sitzung eines neuen Landtags, traditionsgemäß am 18. Mai, dem rheinland-pfälzischen Verfassungstag. Demnach hätte das Parlament eigentlich zwischen dem 18. März und dem 17. Mai 2016 neu gewählt werden müssen. Da am 27. März aber Ostersonntag ist und die Landesregierung die Osterferien als Wahltermin gerne aussparen wollte, hatte sie ursprünglich den 17. April vorgeschlagen.

Stellen Sie sich das einmal vor: Dann wären jetzt noch vier Wochen Wahlkampf. Brrrrrrrrrrrrrrrrr. Aber was hätte sich in diesen vier Wochen noch alles noch hin- und herdrehen, noch alles zum Guten oder zum noch viel Schlimmeren wenden können? Weiterlesen

Die große Durchreiche


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Das ist hart. Fünf bisherige Landtagsabgeordnete aus der Pfalz haben gestern Abend den Wiedereinzug in den Landtag nicht mehr geschafft. Aus und vorbei! Getroffen hat es bei der SPD Bernhard Kukatzki (Schifferstadt) und Walter Feiniler (Speyer). Beide waren im Verlauf der abgelaufenen Legislaturperiode als Nachrücker in den Landtag gekommen und wollten es diesmal aus eigener Kraft schaffen. Das ist fehlgeschlagen.

Ebenso aus dem Landtag geflogen sind bei den Grünen Ruth Ratter (Deidesheim) und Fred Konrad (Käshofen, Kreis Südwestpfalz). Bei der CDU hat es Marcus Klein (Steinwenden, Kreis Kaiserslautern) nicht mehr geschafft. Der stand zwar auf Listenplatz 24 gar nicht so schlecht. Denn die CDU stellt künftig 35 Abgeordnete. Doch Klein hatte schon so gegen 20 Uhr kein gutes Gefühl: Weiterlesen

Schiibi, Schiiba, Schiibo!


Von

Sie kennen ja inzwischen meinen Freund Charly ein wenig: Er beliefert einen mit grünen Hühnereiern, ist Faltbootfahrer und kommt aus dem südbadischen Weil. Immer wenn wir uns treffen, geht es natürlich um die entscheidende Frage: Was ist die schönste und beste Lebensart, unsere pfälzische oder Charlys alemannische? Dort unten im Markgräflerland trinken sie Gutedel. Nun ja, ein akzeptabler Wein. Aber mit unserem Riesling kann dieser Gutedel natürlich nicht mithalten. Charly grillt gerne Klöpfer, das ist eine Art dicke Cervelat im Rinderdarm. Nun ja, da kann man schon einmal reinbeißen. Aber so ein verbrutzelter Klöpfer ist ein Nichts – also quasi ein armes Würstchen – im Vergleich zu einer herzhaften Scheibe Pfälzer Saumagen.

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Fast wie beim Golfen: Scheibenschlagen im Südschwarzwald. (Foto: dpa)

Nur um eines beneide ich die Leute im Markgräflerland – um das Scheibenschlagen. Nicht nur, dass dies ein zünftiger Brauch ist. Scheibenschlagen hätte auch das ganze Wahlkampfgeschrei der vergangenen Wochen völlig überflüssig machen können: „Schiibi, Schiiba, Schiibo!“ Weiterlesen

„Sag es endlich, Sophie!“


Von
Sophie Hunger

Unvergleichliches Ausnahmetalent: Sophie Hunger in der Kaiserslauterer Kammgarn. (Foto: Isabelle Girard de Soucanton)

Die Schweizer Ausnahmekünstlerin Sophie Hunger hatte keine Erwartungen an Kaiserslautern, wo sie am Montagabend mit ihrer Band in der Kammgarn auftrat: „Ich war noch nie in Kaiserslautern, ich kenne da niemand“, sagte die 32-jährige Singer-Songwriterin dem Publikum. Dass dem so ist, da sei sie sich sehr, sehr, sehr sicher. Hunger: „Ich war in den 90ern einmal ein großer Fußballfan, da wüsste ich, wenn ich schon einmal in Kaiserslautern gewesen wäre.“ Doch dann wurden Sophie Hungers Erwartungen in Kaiserslautern über alle Maßen übertroffen. Die Stadt war an diesem Abend erste Wahl für sie. Und das alles nur, weil es schneite. Weiterlesen

Wie ein Faltbootfahrer


Von

Ja mein Freund Charly. Vergangene Woche erwähnte ich hier im Blog die grünen Hühnereier, die er mir neulich mitgebracht hat. „Kretschmann-Eier“, wie Charly sagte. Er wohnt im baden-württembergischen Weil. Auch dort ist am 13. März Landtagswahl. Ich hatte auch erzählt, dass Charly und ich seit Studentenzeiten jeder ein altes Zweisitzer-Pouch-Faltboot besitzen. Damals vor über 30 Jahren hatten wir kein Geld für ein westdeutsches Faltboot der Nobelmarke Klepper. Also fuhren wir Pouch – die wesentlich billigere DDR-Ausführung. Sie hat uns nie im Stich gelassen. Weder auf Tiber, Ticino, Dordogne oder Loire, deren Panorama wir auf mehrtägigen Wanderfahrten aus der Flussperspektive erlebten. Noch auf dem Otterbach in der Südpfalz, wo wir für ein verwildertes, nur drei Kilometer langes Stück viele Stunden brauchten. Was das alles im Wahlzeit-Blog zu tun hat? Wahlkämpfer können von Faltbootfahrern viel lernen. Ganz viel sogar … Weiterlesen

Das Mädchen, der Stier – und eine Wahl


Von

Wer nicht bis zum 13. März warten will, hat auch an diesem Wochenende bereits die Wahl: bei den Kunsttagen auf Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben. Die Veranstaltung geht bereits zum achten Mal über die Bühne und hat sich über die Jahre zu einem bunten Kunst-Jahrmarkt gemausert. Rund 400 Bilder regionaler, nationaler und internationaler Künstler werden diesmal zum Kauf angeboten. Sie sind meist in einer atemberaubenden, wilden Hängung quer durch die Räume der Villa zu sehen. Was dazu wohl der Erbauer des Schlosses, Bayern-König Ludwig I. (1786-1868) sagen würde? Initiator der Kunsttage sind fünf vorderpfälzische Lions-Clubs, der Reinerlös fließt in die Unterstützung und Förderung kranker oder behinderter Menschen.

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Ausschnitt aus Horst Janssens „Wahl-Sonntag 9 11 86“. (Foto: Lions-Club)

Ich habe gestern bereits im Katalog der Kunsttage gestöbert und bin auf eine Arbeit des Zeichengenies Horst Janssen (1929-1995) gestoßen. Ihr Titel: „Wahl-Sonntag“. Die Lithographie zeigt einen Stier, um dessen Hals eine nackte Frau hängt. Es tröpfelt Blut. Dass Janssen, dieser Exzentriker, Egomane und Provokateur, keine langweiligen, inhaltsleeren Wahlplakate gemalt hat, ist klar. Aber welcher Gedankenblitz hat ihn dieses Motiv wählen lassen? Weiterlesen

Kartoffelbrei aus der Tüte


Von

Lang, lang ist es her. Für ein Semester war ich einmal AStA-Sprecher an der Universität Mannheim – unsere hochschulpolitische Gruppe war eine Neugründung: die „Pfälzer Liste“. Vielleicht finden deshalb auch heutzutage pfiffige studentische Ideen immer noch meine Aufmerksamkeit. So wie die der „Jungen Initiative für Bildungs- und Wirtschaftspolitik“. Das ist ein Verein, den Laura Wamprecht zusammen mit Kommilitonen gegründet hat. Sie hat sich an ihrer ehemaligen Universität in Würzburg jahrelang in der Hochschulpolitik engagiert und kennt deshalb Frust und Leid, die man dabei meist erlebt.

Jetzt hat der Verein eine Kampagne gestartet, die Abiturienten, Studierenden und Promovierenden eine Entscheidungshilfe bei der Landtagswahl geben soll. „Studis Wählen“ heißt die Internetplattform. Wir haben sie getestet und herausgefunden: Manche gute Idee bleibt einfach auf der Strecke, weil Studentenvertreter logischerweise nicht jahrelang hochschulpolitisch am Ball bleiben können. Sie wollen ja letztlich Examen machen. Der Ball bleibt im Aus liegen. Weiterlesen