Archiv für den Autor: Rolf Schlicher

Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.

Charlys grüne Eier


Von

Gestern hatte ich Besuch von Charly. Eigentlich heißt er Karlfrieder, aber für uns war und ist er immer nur „der Charly“ gewesen. Er kommt aus Weil in Südbaden. Auch dort in Baden-Württemberg wird am 13. März ein neuer Landtag gewählt. Charly und ich kennen uns seit 35 Jahren. Wir hatten damals jeder ein altes VW-Käfer-Cabrio. Und ein Pouch-Faltboot – made in DDR.  Die zwei Faltboote gibt es immer noch. Als Charly gestern kam, hatte er einen Karton dabei – voll mit grünen Eiern. „Sind die schlecht?“, fragte ich etwas irritiert. „Nein, ganz frisch“, antwortete Charly lachend. Die Eier waren nicht gefärbt. Das Grün war schalenecht. Rot-Grün in Mainz, dazu Grün-Rot in Stuttgart. Wieso also haben solch grüne Eier in den  Landtagswahlkämpfen bisher keine Rolle gespielt? Die Antwort kennt nur das Araucana-Huhn. Weiterlesen

Das Hohe-Loog-Orakel


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Natürlich gibt es viele schöne Ecken im Pfälzerwald. Und vor allem Gipfel. Aber die wenigstens sind über 600 Meter hoch. Und nur einige haben eine tolle Aussicht. Und auf den allerallerwenigsten steht auch noch eine bewirtschaftete Hütte, in der man eine Riesling-Schorle bekommt. Solch ein wunderbarer Platz ist die Hohe Loog bei Neustadt/Weinstraße. Sie ist einer meiner Lieblingsorte. Pfalzweit und weltweit. Zweimal im Jahr machen meine Freunde und ich dort oben Hüttendienst. Aus Spaß an der Freud – und aus Liebe zur Pfalz.

Kalmot

Farbenspiel: Blick von der Hohen Loog zur Kalmit. (Foto: Hindel)

Wenn die Hütte um 18 Uhr schließt, wird es auf der Hohen Loog ruhig wie auf einer Insel, bei der um 11 die Tagestouristen einfallen und ein paar Stunden später endlich wieder verschwinden. Dann beginnt das Inselgipfelglück. Dann setzen wir uns raus auf eine der Bänke und schauen, was uns das Hohe-Loog-Orakel am Abendhimmel zu sagen hat. Und natürlich findet man dort auch Antworten auf die Frage: Wie geht die Landtagswahl aus? Weiterlesen

Fehlpass ohne Folgen


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„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ – lautet eine der Binsenweisheiten aus dem Fußballlehrbuch von Weltmeistertrainer Sepp Herberger. Wollte man das auf die Landespolitik ummünzen, könnte es heißen: „Nach der Wahl ist vor der Wahl.“ Doch nicht immer ist es Jacke wie Hose, ob etwas nun vor oder nach der Wahl passiert. Das Beispiel der rheinland-pfälzischen Kriminalitätsstatistik zeigt dies. Weiterlesen

„Isch kandidiere!“


Von

In der Redaktion gibt es Kollegen, deren Schreibtische sind am Ende des Tages immer vorschriftsmäßig und bewundernswert aufgeräumt. An anderen Arbeitsplätzen türmen sich Papierstapel: Unterlagen, alte Zeitungen, Mitschriften, Merkzettel – alles wichtig, unentbehrlich. Vor allem die Merkzettel haben es in sich. Auf meiner To-do-Liste stand gestern unter anderem: „Platz Samstagausgabe?“, „Leserfragen an Frau Lemke schicken!“, „Chefredakteur fragen, ob er bloggt“ (er hat gestern Nacht noch, habe ich heute morgen gesehen), „Interview Montag??“ und „40.547“. Diese Zahl hatte ich auch vorgestern und vorvorgestern schon auf meinen Merkzettel gekritzelt. Die 40.547 gehen mir seit Tagen nicht aus dem Kopf. Denn ein Blick auf das Landtagswahl-Ergebnis aus dem Jahr 2011 zeigte mir neulich: 40.547 Wähler hatten damals eine ungültige Stimme abgegeben. Wer sind die? Ist es reine Dummheit, die Wähler einen ungültigen Stimmzettel abgeben lässt?

40.547 – das hört sich nach ziemlich viel an. Zum Vergleich: Speyer oder Frankenthal haben kaum mehr Einwohner. 40.547: Gestern habe ich mich als erstes um diese Zahl gekümmert. Recherche im Internet, Umschichten der Papierstapel, ein paar Telefonanrufe bei Statistikern und Experten. Relativ schnell findet man heraus: Der Ungültigkeitswähler ist ziemlich gut erforscht. Weiterlesen

Der Knöllchen-Automat


Von

1000 neue Polizisten, 1000 zusätzliche Lehrer, 1000 weitere Windräder – die Macher von Wahlprogrammen neigen häufig zu Versprechen. Das hört sich ja auch vermeintlich gewinnbringender an als Forderungen nach „Abbau von 1000 Stellen bei der Polizei“, „Wegfall von 1000 Stellen in den Schulen“ oder „Verzicht auf 1000 neue Windräder“. Um den Einwand gleich vorweg zu nehmen: 1000 neue Windräder dürften für viele Rheinland-Pfälzer eher eine Schreckensbotschaft denn ein zugkräftiges Wahlversprechen sein.

Aber sei’s drum. Hier geht es um die Gretchenfrage: Wie wollen die das alles finanzieren? Denn auch wer auf 1000 neue Windräder verzichtet, muss ja anderswo in die Stromerzeugung investieren. Doch beim Thema Einsparvorschläge lassen Wahlprogramme die Wähler häufig im Ungewissen. Wir nicht! Weiterlesen

Trauerkloß oder Sonnenschein


Von

Wie war das vor fünf Jahren bei der Landtagswahl? Am Abend des 27. März 2011 frohlockte Julia Klöckner: „Die CDU Rheinland-Pfalz ist wieder da.“ 35,2 Prozent der Stimmen hatte Klöckner, damals wie heute Spitzenkandidatin, geholt. Was die Jubilierer lieber verschwiegen: Das war das zweitschlechteste Ergebnis der CDU bei Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz seit 1947. Nur Klöckner-Vorgänger Christoph Böhr hatte 2006 noch desaströser abgeschnitten: 32,8 Prozent. „Wieder da“ bedeutete damals also „besser als Böhr“ – mehr aber auch noch nicht. Und heute? Weiterlesen

Klöckner in Rot


Von

„Blonde Hoffnung – Julia Klöckner auf dem Weg zur Macht“ hatte „Cicero“, das monatliche „Magazin für politische Kultur“ (Auflage: rund 88.000), in seiner Dezemberausgabe getitelt. Das Cover stammt von dem Würzburger Illustrator und Künstler Marco Wagner. Es zeigt Klöckner in viel Magenta getaucht und mit einem filigranen Krönchen auf dem Kopf. In dem Schmuckstück ist das sechsspeichige Rad aus dem rheinland-pfälzischen Wappen zu erahnen. Soll die Krone nur eine Anspielung auf Köckners Jahr als Deutsche Weinkönigin sein? Oder doch eher auf ihre Ambitionen in der Politik? Weiterlesen

Die Falle der Senatoren


Von

Vermissen Sie auch schon die gewohnten Bilder aus früheren Landtagswahlkämpfen? Spatenstiche, Einweihungen, Eröffnungen. Ein Dutzend XYZ-Politiker graben mit einem Dutzend frisch aus dem Baumarkt geholter Spaten dort ein Stück Scholle um, wo irgendwann einmal eine Straße geteert werden soll. Und lachen in die Kameras. Oder ein Dutzend ZYX-Politiker mit einem Dutzend Scheren in den Händen schneiden ein Band durch – beispielsweise an einem neuen Radwegeverbindungsstück. Natürlich alles immer kurz vor dem Wahltermin.

Aktuell ist es bisher erstaunlich ruhig in dieser Hinsicht. Was vielleicht daran liegen mag, dass unser hoch verschuldetes Land einfach kein Geld mehr hat für Radwegeverbindungsstücke. Oder die Politiker haben erkannt, dass die meisten Wähler doch nicht so simpel ticken wie Labormäuse, die in ihrem Käfig in jene Ecke rennen, wo es Futter gibt. Aber Vorsicht? Freuen sie sich ja nicht zu früh! Weiterlesen

Ab in den Abwurfschacht


Von

Hiobsbotschaft aus dem Küchenstudio: Es gibt keine Spülen mit Abwurfschacht mehr! Wie? Ja, werden nicht mehr gebaut, sagt der Fachverkäufer. Also, so gut wie nicht mehr. Dieses Küchenstudio zumindest hat keine Spülen mit Abwurfschacht mehr im Angebot. Das nächste auch nicht.

Wie kann etwas so Sinnvolles von den edelstahlverliebten Küchenplanern einfach abgeschafft werden? Wieder einmal ein Beweis dafür: Design ist das Gegenteil von Praktisch. Denn ob Gemüseabfall, Kaffeefilter oder Eierschalen – einfach Deckel auf und ab in den Abwurfschacht. Wie kommen Leute überhaupt ohne den zurecht? Weiterlesen

Gesichtslose Grüne


Von

Seit ein paar Tagen haben wir in der Redaktion einen Kandidatentisch. Oder genauer: einen Kandidatensektor auf meinem Schreibtisch. Dort sitzen zwar keine Kandidaten, aber dort liegen sie immerhin. Genauer die Kandidaten-Listen der 14 Parteien, die bei der Landtagswahl am 13. März antreten. Dazu Bewerberprofile, Unterlagen zu den 51 Landtags-Wahlkreisen, und, und, und. Alles wichtige Unterlagen, denn in der Woche vor der Wahl wird die RHEINPFALZ noch einmal einen kompakten Überblick liefern: Auf vier Seiten werden die 118 Direktkandidaten, die sich in der Pfalz bewerben, kurz vorgestellt. Dazu gibt es Infos zu den Schwerpunkten des Wahlkampfes und zur Frage: Wie ist das mit den Erst- und Zweitstimmen?

Wahlseiten-Entwürfe

Im Entstehen: RHEINPFALZ-Seiten mit den Fotos und Kurz-Infos zu allen 118 Direktkandidaten, die in der Pfalz antreten. (Foto: yah)

118 Kandidaten bedeuten 118 Fotos. Das zu organisieren, ist Geduldsarbeit: Unsere Anfragen an die Parteizentralen mit der Bitte, uns Bilder von ihren Direktkandidaten zu schicken, gingen vor über zwei Wochen raus. Was dann passierte, ist ein kleiner Indikator dafür, wie gut und wie professionell die Wahlkampfmanager aufgestellt sind.

Raten Sie mal, wer der schnellste war… Weiterlesen