Archiv für den Autor: Rolf Schlicher

Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.

Der Allerletzte


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Gehören Sie zu denen, die bei Büchern zuerst auf die letzte Seite schauen? Weil Sie bei Krimis gleich wissen wollen, wie es ausgeht? Oder bei einem Roman noch vor dem Lesen von 800 Seiten und mehr die Gewissheit erlangen möchten, dass dieses Buch sich lohnt? Letzte Sätze können fulminante Schlussakkorde sein. Letzte Sätze können aber auch über das Ende eines Buches hinaustragen und das weitere Leben begleiten. Oder Ausdruck großer Erleichterung sein – so wie in Joanne K. Rowlings magisch anziehender Harry-Potter-Saga. Nach tausenden von Seiten lautet der letzte Satz des siebten und letzten Bandes: „Alles war gut“.

Wie ist das bei Wahlprogrammen? Gerade weil sie sicherlich nicht zu der spannendsten Lektüre der Welt gehören, sollte es bei ihnen auf kluge Sätze ankommen. Vor allem bei den letzten Sätze. Denn selbst Wahlkampfmanager gehen nicht davon aus, dass die Bürger solche Programme von der ersten bis zur letzten Seite lesen. Rowlings „Alles war gut“ wäre sicherlich kein guter Schlusssatz für ein Wahlprogramm: Denn wenn alles gut ist, warum soll man dann noch wählen gehen? Und: Schon der aktuelle Tabellenstand des 1. FCK zeigt, dass überhaupt nicht alles gut ist.

Wir haben die letzten Sätze von Parteiprogrammen zur Landtagswahl unter die Lupe genommen. Wie gut sind sie? Was versprechen sie? Rütteln Sie auf? Oder geht den Programmschreibern am Ende die Puste aus? Wird deshalb am Ende nur noch abgehakt und aneinandergereiht, was eben noch unbedingt dazu gehört? Hier unser Testergebnis: Weiterlesen

Wetterfest wie Inspektor Columbo


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Porträtfoto Martin Haller im Trenchcoat

Martin Haller, Wahlkreis Frankenthal

Sie erinnern sich an den unvergesslichen Inspektor Columbo? 69 Mal ermittelte US-Schauspieler Peter Falk zwischen 1968 und 2003 in dieser Rolle. Columbos zerknautschter beiger Regenmantel war sein Markenzeichen. Irgendwie müssen die Wahlkampfmanager der rheinland-pfälzischen SPD an Columbo gedacht haben, als sie ihre Kandidaten zum Fotografen schickten. Die Vorgabe an die Männer lautete offenbar: beige Regenjacke.

Porträtfoto Hendrik Hering im Trenchcoat

Hendrik Hering

Zwölf der 51 SPD-Direktkandidaten zeigten sich folgsam: darunter Ex-Wirtschaftsminister Hendrik Hering sowie die pfälzischen Abgeordneten Martin Haller (Wahlkreis Frankenthal), Jochen Hartloff (Wahlkreis Kusel) und Alexander Schweitzer (Wahlkreis Südliche Weinstraße). Als einzige Frau stülpte sich die südwestpfälzische SPD-Kandidatin Edeltraut Buser-Hussong den SPD-Trenchcoat über. Was wohl die Botschaft dieses Dresscodes ist? Weiterlesen

Infostand? Wahlstand? Gutselstand!


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Die nächsten Wochen werden sie wieder zum festen Bild der Fußgängerzonen gehören: die Infostände der Parteien. Voll mit Flyern, Luftballons, Kugelschreibern und anderem Werbeschnickschnack. Stellen wir uns ganz kurz folgende, völlig inakzeptable Szene vor: Aus einer Seitenstraße stürmt ein Kerl herbei, der einen Besenstiel in der Hand hält. Er baut sich vor dem Wahlstand auf, holt aus und haut mit dem Holzstiel so energisch zu, dass der gute, alte Tapeziertisch mit all dem bunten Wahlkampfmaterial zusammenbricht. Wir hoffen sehr, dass so etwas nicht passiert. Aber wenn doch – dann sind wir gewiss, dass die Polizei den Fall schnell aufklären wird: Der war‘s! Und das war sein Motiv! Abführen!

Ganz anders sieht die Geschichte bei einem Stand aus, der seit Jahrzehnten bei uns hier in der Pfalz besungen wird: der Gutselstand auf der Dannstadter Höh. Noch einmal den Text gefällig?

Mei Mudder hot en Gutselstand,
do drowwe uff de Dannstadter Heh.
Do kummt en Borsch mit em Stecke in de Hand
und haat meiner Mudder uff de Gutselstand.
Hallihallo, Hallihallo, s’isch traurich awwer wohr:
Im gaanze Land kän Gutselstand, wie meiner Mudder ihrer änner war.

Gutselstandszene

Gerd Faber und Silke Schmidt vom „Theater an der Weinstraße“ (Bad Dürkheim) zeigen die Gutselstand-Szene.

Ein klarer Fall von Sachbeschädigung, wenn nicht von Körperverletzung oder mehr. Das „Gutselstand“-Lied soll in den 1950-er Jahren im Vorderpfälzer Gemüseanbau-Ort Dannstadt entstanden sein. Doch was sind die Hintergründe? Wer war die Mutter, wer dieser Bursche? Und warum stand überhaupt mitten im Acker ein Gutselstand? An der Aufklärung hapert es seit Jahren. Wir haben deshalb in den vergangenen Wochen nachgeforscht: auf und neben der Dannstadter Höh, bei alten Dannstadter Bürgern, bei Mundartdichtern, Kommunalpolitikern und Heimatsvereins-Funktionären.

Der Fall Gutselstand: Was wir herausgefunden haben, lesen Sie morgen in der RHEINPFALZ. Bis dahin können Sie ja schon einmal mitsingen: Mei Mudder hot en Gutselstand, do drowwe uff de Dannstadter Heh …

Mein Auftritt als Chauffeur der Grünen-Kandidatin


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Aktenordner mit RHEINPFALZ-Artikeln zur Landtagswahl 1991: Grünen-Spitzenkandidatin Gisela Bill bekam damals Unterstützung von Joschka Fischer.

Aktenordner mit RHEINPFALZ-Artikeln zur Landtagswahl 1991: Grünen-Spitzenkandidatin Gisela Bill bekam damals Unterstützung von Joschka Fischer. (Foto: jüm)

Vor Landtagswahlen gibt es hier in der Redaktion ein Ritual: Wir blättern alte Ordner durch. Wie haben wir bei der Landtagswahl vor fünf Jahren berichtet? Oder vor 15 Jahren? „Mensch, sehen die da noch jung aus, Beck, Brüderle und wie sie alle hießen.“ Etwas angestaubt im wahrsten Sinne des Wortes ist der Ordner mit dem Material aus 1991. Damals durfte ich als junger Redakteur für die RHEINPFALZ mit den Spitzenpolitikern durchs Land touren. Mit Carl-Ludwig Wagner – das war damals der CDU-Ministerpräsident, der dann abgewählt wurde. Und mit Gisela Bill, die war damals 43 und Spitzenkandidatin der Grünen. Verabredet hatten wir uns morgens früh bei ihr zu Hause in Trechtinghausen. Gisela Bill war schlagfertig und beherzt: „Können Sie mich heute fahren?“ Ich war viel zu verblüfft, um Nein zu sagen.

Und so fuhr ich die Grünen-Spitzenkandidatin an diesem Tag im April 1991 von Wahlkampftermin zu Wahlkampftermin quer über den Hunsrück. Von all dem, was sie mir während der Fahrt erzählte, konnte ich nichts mitschreiben. Ein Artikel über den Wahlkampftag ist dennoch erschienen. Ob sich Bill an mich als Chauffeur noch erinnert? Keine Ahnung. Aber ich schick ihr gleich mal eine Mail und frag Sie. Wer hat Bills Mail-Adresse?