Bloß keine roten Manschetten


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Selbst der Gemüseeinkauf am Wochenende wird in diesen Tagen zu einem Gradmesser dafür, welche Parteien nach dem 13. März ein Regierungsbündnis eingehen könnten – und welche nicht. Samstagvormittag in einer Gärtnerei im Mainzer Vorort Gonsenheim: Während ich noch überlege, ob ich meiner Familie einen Salat aus Babyspinat zumuten kann oder doch lieber zum bewährten Feldsalat greife, stürmt Peter Schmitz in Anzug und Krawatte in den Verkaufsraum. Ob sie für die Blumentöpfe mit den Osterglocken vielleicht Manschetten habe, fragt der frühere FDP-Landtagsabgeordnete die Eigentümerin der Gärtnerei. Eine ganze Palette der leuchtend gelb blühenden Narzissen will er mitnehmen. „Ich habe im Moment nur rote“, sagt sie. „Nein, keine roten Manschetten“, sagt Schmitz und schüttelt heftig den Kopf.

Während die Gärtnerin noch einmal in einem Nebenraum schaut, begrüßt er mich. „Hallo Frau Dauscher, so spannend war es noch nie“, sagt er, und eine fröhliche Erwartung auf den 13. März steht ihm ins Gesicht geschrieben. „Eine Wahlveranstaltung jagt die nächste“, erklärt er sein in Outfit, auf das ich ihn gleich anspreche, weil es an einem Samstagvormittag in einer Gärtnerei doch aus dem Rahmen fällt. Den Ex-Abgeordneten kenne ich aus seinen Jahren im Landtag. Zehn Jahre war er im Parlament – bis die FDP 2011 den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde nicht mehr schaffte. Nach dem Wahldebakel gab Schmitz seine Parteiämter auf und konzentrierte sich wieder ganz auf seine Zahnarztpraxis, die er in all den Jahren weitergeführt hat. In der Landeshauptstadt ist er ein bekanntes Gesicht, wenn auch nicht so berühmt wie seine Frau, die ZDF-Moderatorin Gundula Gause. Wir begegnen uns immer wieder mal auf der Straße, im Wald oder an der Supermarktkasse und wechseln zwei, drei Sätze über die Landespolitik im Allgemeinen und über den Zustand der FDP im Besonderen. Ambitionen auf eine Rückkehr in die Landespolitik hat der 61-Jährige nie angedeutet. Dennoch scheint er jetzt vom Wahlkampffieber erfasst zu sein.

Die Inhaberin der Gärtnerei entschuldigt sich noch einmal, dass sie nur rote Manschetten hat, und bietet an, die Osterglocken anders zu verpacken. Obwohl Schmitz selbst fünf Jahre seiner Abgeordnetenzeit in einer sozialliberalen Koalition verbracht hat, will er dieses rot-gelbe Signal ganz und gar nicht nach außen senden. „Das würden die Leute nicht verstehen“, sagt er. Wer käme schon auf die Idee, die Farbzusammenstellung darauf zurückzuführen, dass eine gewöhnlich gut sortierte Gärtnerei an diesem Tag nur ein begrenztes Angebot an Manschetten hat. Die Realität hat manchmal ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem.

Da freut sich die Korrespondentin, dass sie nur auf die Geschmäcker der Familie Rücksicht zu nehmen hat und zu der kleinen Menge Spinat und der etwas größeren Menge Feldsalat nicht noch Tomaten, Bananen und Auberginen kaufen muss.

Wie der FDP-Spitzenkandidat Volker Wissing im Wahlkampf auf Stimmenfang geht, hat mein Kollege Arno Becker beobachtet. Er wird darüber morgen in der RHEINPFALZ berichten.

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Karin Dauscher

Über Karin Dauscher

Karin Dauscher (49) beobachtet die Landespolitik seit 2001. Sie hat Rot-Gelb, Rot und Rot-Grün an der Regierung erlebt, die Einführung der Ganztagsschule, den Streit um den Nürburgring und das Ringen um die Energiewende. Nach einem Studium der Germanistik, der Politikwissenschaft und der Vergleichenden Literaturwissenschaft volontierte sie in der Öffentlichkeitsabteilung der BASF und wechselte 1994 zur RHEINPFALZ. Ihr Kürzel: kad