Das Kreuz mit dem Kreuz


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Ein paar gescheiterte (Ex-)Politiker wollen, so dürfen wir getrost vermuten, die Landtagswahl jetzt möglichst schnell vergessen. Leicht macht man ihnen das nicht. Schließlich hängen mancherorts sogar noch ihre Fotos herum. Um auf andere Gedanken zu kommen, könnten sie nun zum Beispiel in tiefsinnige Lektüre fliehen. An den kommenden Feiertagen empfiehlt sich etwas Geistliches. Das lenkt nicht nur ab, sondern führt auch gleich vor Augen, wie vergänglich Sieg und Niederlage doch sind. Besonders deutlich wird der 1890 gestorbene John Henry Kardinal Newman. „Geht in die politische Welt“, schreibt der katholische Geistliche, ganz offenkundig mit innerem Schaudern. „Überblickt die verschiedenen Rangstufen in der Gemeinschaft, ihre Parteien und ihre Kämpfe, das Ringen der Ehrgeizigen, die Ränke der Schlauen.“ Alles nur „Tumult“, stöhnt der Feingeist. Und stellt dann dagegen: „Das Kreuz.“ Das Kreuz? O je. Der Kardinal hat gar nicht gemeint, woran ein paar gescheiterte (Ex-)Politiker jetzt sofort wieder denken werden. Trotzdem, man macht es ihnen wirklich nicht leicht, die Landtagswahl möglichst schnell zu vergessen.

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Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.