Debatten im Museum


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Am Sonntag wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. 101 Abgeordnetenplätze sind neu zu vergeben. Aber alle diese 101 Abgeordneten müssen sich darauf gefasst machen, dass sie in den fünf Jahren, für die sie gewählt sind, den Landtag nie von innen sehen werden.

Genauer gesagt: das eigentliche Landtagsgebäude nie von innen sehen werden. Das historische Deutschhaus ist hoffnungslos veraltet und soll gründlich saniert und modernisiert werden. So hat es das Landtagsplenum mit den Stimmen aller Fraktionen beschlossen. Klar, dass bei solchen Entscheidungen alle mitmachen. Man will ja nicht aus der Reihe tanzen, wenn es ums eigene Gestühl geht. Aber keine Sorge: Bei der Sanierung wird nicht überall das Allerfeinste eingebaut. Die Kosten sollen unter 50 Millionen Euro gedeckelt werden. Wir sind gespannt.

Bis zum Abschluss der Sanierung ziehen die Abgeordneten in ein Übergangsquartier, in die Steinhalle des Landesmuseums. In dieser 70 mal 17 Meter großen ehemaligen Reithalle der kurfürstlichen Stallungen war schon in der Vergangenheit  eine Sammlung von Gedenksteinen aus der Römerzeit zu sehen. Die stummen Zeugen der Geschichte künden von vergangener Pracht des römischen Mainz. Sie künden von Kriegern aus dem Zweistromland, die am Rhein das Leben verloren, von reichen Kaufleuten, die dort das Zeitliche segneten, von Mördern und Scharfrichtern, die dort bestattet wurden. Solche Steine werden in Zukunft die Lobby des Landtags säumen. Wenn das unsere Damen und Herren Abgeordneten in ihrem Schaffen fürs Land nicht beflügelt …

Ernsthaft: Die Verbindung von Parlament und Museum, die in der Steinhalle für die Zeit der Landtagssanierung geschaffen wird, hat etwas. Alle künftigen Besucher der Plenarsitzungen dürfen sich darauf freuen. Mehr über das Übergangsquartier lesen Sie morgen in der Printausgabe und der App der RHEINPFALZ.

Ob das Deutschhaus wie geplant bis 2020 fertig sein wird? Auch darauf sind wir gespannt. Wenn nicht, dann werden die Abgeordneten der neuen Wahlperiode den Landtag tatsächlich nicht von innen sehen.

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Arno Becker

Über Arno Becker

Geboren 1957 im Landkreis Kusel. Studium (Politikwissenschaft, öffentliches Recht) in Mainz. Hat bei der RHEINPFALZ volontiert und unter anderem in der Wirtschaftsredaktion und als Chef der Lokalredaktion Neustadt gearbeitet. Seit 2007 als Leiter des Mainzer Büros Beobachter der Landespolitik.