Der Rentner und der Flow


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In gewisser Hinsicht muss man froh sein, dass am Samstagabend die Schlacht um Wählerstimmen vorbei sein wird. Alle Damen und Herren Landespolitiker sind derart im Wahlkampfmodus, dass es nicht nur eine Freude ist. Nehmen wir die CDU, die am Montag zur Bilanz ihrer Fraktionsarbeit geladen hatte. Diese mag ja gar nicht schlecht sein, aber die Herrschaften waren vor der versammelten Journalistenschar befremdlich eifrig am Reden. Da kamen die rhetorischen Beiträge der Fraktionsspitzen fast schon so rüber, als handele es sich um Textbausteine aus dem Wahlkampfrepertoire.

Oder nehmen wir die SPD, die sich riesig freut über die Meinungsumfragen, die zuletzt wieder gute Chancen verheißen, dass die Roten die Schwarzen am Sonntag doch schlagen könnten. Lange sah das aus SPD-Sicht ja nicht so rosig aus. Derart gedopt, wollten sich die Spitzengenossen gestern gar nicht mehr einkriegen: „Total optimistisch“ gehe sie in die letzten „100 Tage des Wahlkampfs“, sagte Malu Dreyer und meinte die letzten 100 Stunden. Fraktionsvorsitzender Alexander Schweitzer sah seine Partei „in einem Flow“, wobei er die Urheberschaft für den neudeutschen Ausdruck bei einem Südpfälzer Rentner verortete, dem Schweitzer auf einer Wahlkampfveranstaltung im heimatlichen Wahlkreis begegnet war. SPD-Landesvorsitzender Roger Lewentz erinnert erneut daran, die Hühner würden am Abend gezählt. Am Sonntagabend hätte wohl die SPD die meisten Hühner im Stall.

Wir sind alle gespannt und rufen den Wahlkämpfern zu: Durchhalten bis Samstagabend, dann durchatmen und Adrenalin abbauen. Am Sonntagmorgen nicht vergessen: Der Wahlkampf ist vorbei.

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Arno Becker

Über Arno Becker

Geboren 1957 im Landkreis Kusel. Studium (Politikwissenschaft, öffentliches Recht) in Mainz. Hat bei der RHEINPFALZ volontiert und unter anderem in der Wirtschaftsredaktion und als Chef der Lokalredaktion Neustadt gearbeitet. Seit 2007 als Leiter des Mainzer Büros Beobachter der Landespolitik.