Die Iden des März oder: καὶ σὺ τέκνον


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Heute können die Wahlverlierer sich in Mainz dem Untergang des Abendlands entgegenstemmen und seine Traditionen pflegen. Schließlich schreiben wir den 15. Tag des dritten Monats und mithin seine Mitte, oder, um es ein wenig oberstudienrätlicher zu formulieren: die Iden des März. Das ist jener Tag, an dem anno 44 vor Christus eine Gruppe von Senatoren ihre Unzufriedenheit mit Gaius Julius Cäsar überdeutlich zum Ausdruck brachte: Sie rammten dem römischen Alleinherrscher Dolche in den Leib und beendeten somit neben seinem Leben auch seine politische Karriere.

Tat und Datum haben seither immer wieder große Geister inspiriert: Schiller, Shakespeare, Iron Maiden, die Macher der Fantasy-Fernsehserie „Xenia – die Kriegerprinzessin“. Die CDU allerdings hat heute getan, was ihr die AfD schon die ganze Zeit vorwirft: Sie hat sich der abendländischen Traditionspflege verweigert. Statt Julia Klöckner (natürlich nur im politischen Sinne, Oberstudienräte missbilligen jede Übertreibung) zu meucheln, haben die künftigen christdemokratischen Abgeordneten sie schon wieder zur Fraktionsvorsitzenden gewählt. Was die Grünen mit ihren beiden Spitzenleuten Eveline Lemke und Daniel Köbler machen, scheint hingegen zur Stunde noch offen.

Dabei könnte gerade die Multikulturalistenpartei die abendländische Tradition besonders treu pflegen. Immerhin soll sich Cäsar in einer Fremdsprache von dieser Welt verabschiedet und seine, an seinen nun zu seinem Mörder gewordenen Ziehsohn Marcus Brutus gerichteten letzten Worte auf Griechisch hervorgestoßen haben: καὶ σὺ τέκνον!

Wie es bei den Grünen am Ende dieses Tages aussieht, wird unsere Mainzer Korrespondentin Karin Dauscher morgen berichten: in der gedruckten RHEINPFALZ, in unserer App und auf unserer Internet-Seite.

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Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.