Fehlpass ohne Folgen


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„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ – lautet eine der Binsenweisheiten aus dem Fußballlehrbuch von Weltmeistertrainer Sepp Herberger. Wollte man das auf die Landespolitik ummünzen, könnte es heißen: „Nach der Wahl ist vor der Wahl.“ Doch nicht immer ist es Jacke wie Hose, ob etwas nun vor oder nach der Wahl passiert. Das Beispiel der rheinland-pfälzischen Kriminalitätsstatistik zeigt dies.

Innenminister Roger Lewentz (SPD) will die Bilanz zu den in 2015 verübten Straftaten erst nach der Wahl vorlegen. Die Arbeit an dem Zahlenwerk sei diesmal besonders aufwendig, heißt es in seinem Ministerium. Weil die Angst vor Kriminalität und das subjektive Sicherheitsgefühl aber Themen sind, die Wähler auch diesmal als ganz besonders wichtig einstufen, wäre es natürlich schon nützlich und hilfreich gewesen, die Kriminalitätsstatistik würde schon vor der Wahl voröffentlicht. In Baden-Württemberg will die rot-grüne Landesregierung ihre Kriminalitätsstatistik übrigens auch erst nach der Wahl präsentieren – dort hat dies zu harscher Kritik der CDU-Opposition geführt.

In Rheinland-Pfalz hat die CDU dagegen offenbar noch gar nicht gemerkt, was hier gerade von „vor der Wahl“ auf „nach der Wahl“ verlegt wurde. Heute hatte die Landes-CDU allerdings auch genug mit den Fehltritten in den eigenen Reihen zu tun: Abfällige Äußerungen eines Koblenzer CDU-Lokalpolitikers über Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihren Gesundheitszustand hatten für beträchtlichen Wirbel gesorgt.

Was das Innenministerium jetzt schon an Zahlen zu bestimmten Kriminalitätsdelikten nennt, können Sie morgen in der RHEINPFALZ lesen. Wir versuchen „so transparent wie eben möglich zu sein“, sagt Ministeriumssprecher Marco Pecht. Urteilen Sie selbst!

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Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.