Hätte, hätte – Fahradkette


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An Fahrt verloren: Rad ohne Kette. (Foto: dpa)

Was wäre, wenn der rheinland-pfälzische Landtag zu dem Zeitpunkt gewählt worden wäre, den die Verfassung bisher eigentlich vorgesehen hatte: Dort hieß es, dass die Neuwahl frühestens 58 und spätestens 60 Monate nach Beginn der Wahlperiode stattfinden muss. Die Wahlperiode beginnt mit der ersten Sitzung eines neuen Landtags, traditionsgemäß am 18. Mai, dem rheinland-pfälzischen Verfassungstag. Demnach hätte das Parlament eigentlich zwischen dem 18. März und dem 17. Mai 2016 neu gewählt werden müssen. Da am 27. März aber Ostersonntag ist und die Landesregierung die Osterferien als Wahltermin gerne aussparen wollte, hatte sie ursprünglich den 17. April vorgeschlagen.

Stellen Sie sich das einmal vor: Dann wären jetzt noch vier Wochen Wahlkampf. Brrrrrrrrrrrrrrrrr. Aber was hätte sich in diesen vier Wochen noch alles noch hin- und herdrehen, noch alles zum Guten oder zum noch viel Schlimmeren wenden können? Julia Klöckner wäre vielleicht am 14. April wieder aus dem Umfragetief herausgekommen. Klöckner hätte vielleicht wieder Oberwasser gehabt. Die letzte Umfrage am 16. April hätte sie vorne gesehen. Und am 17. April kurz nach 18 Uhr hätten Merkel und Klöckner sich umarmt. Hätte, hätte – Fahrradkette.

Aber letztlich ist die CDU selbst schuld daran, dass schon jetzt gewählt wurde. Als vor einem Jahr über den Wahltermin diskutiert wurde, übte sie deutliche Kritik an einer verspäteten Landtagswahl im April. Damals waren die Umfragewerte für Klöckners CDU ja noch sehr gut – da konnte ihr die Wahl nicht schnell genug kommen. Weil Rheinland-Pfalz letztlich am selben Termin wie Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt wählen wollte, nämlich am 13. März, wurde dann extra die Verfassung geändert. Nun gibt es ein größeres Zeitfenster für die Wahl.

Wir Wähler müssen uns jetzt überlegen: Was machen wir denn am 17. April? Vielleicht einen Fahrradausflug? Doch was, wenn dann die Kette runterspringt?

Julia Klöckner

Große Enttäuschung: Julia Klöckner am Wahlabend. (Foto: dpa)

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Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.