Julia Klöckner im Schneegestöber


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Warum stellen sich Politiker im Schneegestöber und bei Minusgraden auf einen Parkplatz und machen Wahlkampf? Da kommt doch keiner hinterm warmen Ofen hervor. Denkste! Als Julia Klöckner gestern Nachmittag mit ihrem Wahlkampftour-Bus auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarktes in Emmelshausen im Hunsrück ankam, warteten so etwa 30 Leute auf sie. Und als sie dann unterm Dach eines Minizeltes stand, kamen immer mehr Menschen dazu. Der Wind pfiff so eisig, wie wir Pfälzer es überhaupt nicht gewohnt sind. Schneeflocken sausten um die Köpfe. Man spannte ein Dach aus Schirmen, Klöckner zog Handschuhe an, und dann entwickelte sich eine kontroverse Diskussion über die Notwendigkeit einer Brücke im Mittelrheintal.

Ein dem äußeren Anschein nach eher alternativer Mann forderte mit seinen Fehlinformationen über die finanziellen Leistungen für Flüchtlinge den energischen Widerspruch der CDU-Spitzenkandidatin heraus. Nicht mal nach einer halben Stunde machte irgendjemand Anstalten, das Weite, besser: das Warme zu suchen. Als Mensch aus der Toskana Deutschlands muss man sowas nicht verstehen. Die Hunsrücker sind gerade  mal 120 Kilometer von uns entfernt. Mir scheint es aber so, dass sie mühelos auch in Sibirien (über-)leben könnten.

Um 20.30 Uhr sollte Julia Klöckners Wahlkampftag in Zell zu Ende sein. Die 350 Besucher bei ihrer Wahlkampfveranstaltung dort diskutierten aber bis 21.30 Uhr mit ihr. Meine nächtliche Rückfahrt über den tiefverschneiten Hunsrück auf mancherlei Umwegen, weil liegengebliebene Lkw die Höhenstraße versperrten, wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.  Bei plus 2 Grad an der Mosel bin ich losgefahren. Oben auf dem Hunsrück waren es zwei Grad unter Null. Bei Ankunft kurz vor Mitternacht in der Pfalz zeigte das Thermometer plus sechs Grad. Im Garten blühen die Narzissen. Man kann verstehen, dass die Italiener ihre Toskana die Pfalz Italiens nennen.

Meine Wahlkampfreportage über Julia Klöckner können Sie in der Dienstagausgabe der RHEINPFALZ lesen. In der Montagausgabe lesen Sie die Reportage über den Wahlkampf von Malu Dreyer.

3 Gedanken zu „Julia Klöckner im Schneegestöber

  1. RoKnei

    Hallo, Herr Garthe,
    Ihre Beiträge zu Dreyer und Klöckner habe ich mit ausgewogenem Interesse gerne gelesen. Nach Lektüre Ihres heutigen Briefes bei „Neues aus der Redaktion“ darf ich Ihnen schreiben, dass ich von der Links-Rechts-Zuschreibung äußerst wenig halte…. Jedes Individuum ist doch eine Schnittmenge seiner selbst, seiner Meinungen, seiner Aktivitäten, seines Umfelds!!!! Nehmen Sie meine Person: Bin RHP-, FAS-, ZEIT- und Freitag-Samstag-SÜZ-Abonnentin. Da wird´s eher schwierig mit dem In-die-Schublade-stecken…..Wünsche ein paar relaxende samstägliche Stunden!

    1. Michael GartheMichael Garthe Artikelautor

      Sehr geehrte Frau Kneisel,
      es ist großartig, dass Sie so viele unterschiedliche Zeitungen lesen und dabei auch der RHEINPFALZ die Treue halten. Es ist schwierig zu messen, aber seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass deutlich weniger als fünf Prozent der erwachsenen Deutschen mehr als drei Zeitungen lesen. Sie sind also eine Ausnahme mit Ihrer umfassenden Lektüre. Ich möchte niemanden in die Schubladen stecken. Ich schildere nur eine Erfahrung, die ich immer wieder mache.
      Übrigens habe ich gestern Julia Klöckner gefragt, welche Farbe ihr Blazer eigentlich habe, Lachs, Himbeer, Pink, Flieder? Sie könnte es selbst nicht sagen. Wir haben dann Frauen und Männer gefragt, die dabei standen, was sie denn meinen. Zunächst kam jeder zu einem anderen Ergebnis. Es schälte sich dann „Altrosa“ als Mehrheitsmeinung heraus. „Och, Herr Garthe, aber das schreiben Sie bitte nicht“, meinte Julia Klöckner lachend zu mir. Ich antwortete ihr: „Schreiben werde ich es nicht, aber bloggen.“ Ich notiere das hier, weil es ein wenig deutlich macht, wie unverkrampft es auch zwischen Politikern und Journalisten zugehen kann und wie entspannend es an so anstrengenden Tagen ist, auch mal zu frotzeln und miteinander zu lachen.
      Herzliche Grüße

      1. RoKnei

        Hallo Herr Garthe,
        es freut mich außerordentlich zu lesen, dass es bei all Ihren ungezählten offiziellen Terminen auch mitunter was zum Schmunzeln gibt. Diese Lockerheit fließt ja für uns LeserInnen in den Blog-/Papier-Formaten durchaus fruchtbar mit ein.
        Aufgefallen ist mir, dass sich gerade beim rötlichen Nuancen-Spektrum der Damen-Blazer Begrifflichkeits-Herausforderungen auftun.
        Ich weiß natürlich, dass dieses Fabulieren über die Couleur rouge bei aller RHP-Ausgewogenheit als purer Zufall aufgefasst werden kann.
        Für die restliche Wahlkampf-Woche wünsche ich weiterhin erfrischende Begegnungen…Wir LeserInnen profitieren davon.
        Gruß!

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