Julia? Malu? Ambra!


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Könnten Sie diesem Dackelblick widerstehen? (Foto: Luttenberger)

Es gibt Mails, die fangen ganz harmlos an. So wie die von meinem Kollegen Christoph Hämmelmann. Er lobt meine Reportage über meine Dackelhündin Ambra, die am Samstag vergangener Woche in der RHEINPFALZ erschienen ist. Darin beschreibe ich, wie der kleine Vierbeiner innerhalb kürzester Zeit unser Leben auf den Kopf gestellt hat. Leser aus dem ganzen Land haben sich hinter bei mir gemeldet und Fotos ihrer eigenen Dackel geschickt. Bei einem Termin schenkte mir eine Frau sogar Hundeleckerli für den Zeitungshund. Einfach süß.

„Willst Du was dazu bloggen?“, fragt der Kollege aus Ludwigshafen da plötzlich. So nach dem Motto: Über Politik wird ja immer geschimpft und gemeckert, dabei haben wir doch schon einen Sympathieträger im Land. Ambra. Die wäre doch eine tolle Kandidatin für das Ministerpräsidentenamt. Die politische Detailarbeit, so schiebt Christoph noch hilfreich hinterher, würden ja sowieso die Referenten erledigen. Dafür wäre also gesorgt.

Aha. Ich finde die Idee völlig absurd. Der zerrt auch alles in sein Blog, denke ich mir. Mein Dackel in der Landespolitik ist viel zu weit hergeholt. Oder doch nicht? Während ich laut denke, mischt sich der Kollege aus dem Nachbarbüro ein: „Das kannst Du nicht machen, das ist lächerlich.“ Stimmt. Aber es hält uns trotzdem nicht davon ab, uns mit dem Thema zu befassen – und das erstaunlich lange. Das Kopfkino beginnt sofort zu rattern.

Ambra hätte ein unschlagbar gutes Argument im Wahlkampf: Sie sieht niedlich aus. Und wer kann schon einem echten Dackelblick widerstehen? Die Menschen bleiben stehen, unterhalten sich mit ihr und stecken ihr Leckerli zu – von muffiger Politikverdrossenheit wäre keine Spur mehr. „Tiere und Kinder ziehen immer“, heißt es nicht umsonst. Na gut, auf unseren Welpenfotos sieht Ambra niedlicher aus als im strubbeligen Alltag, aber auf Werbeplakaten wird ohnehin meist geschummelt.

Der süße Blick ließe sich sicherlich auch politisch nutzen. Schließlich haben Hunde uns Menschen schon seit ewigen Zeiten dazu erzogen, ihrem Gebettel nachzugeben. Schwierige Debatten? Ein tiefer Blick in die Hundeaugen, schon wären alle weichgekocht und würden zustimmen. Ambra wäre auch ein brillantes Erklärungsmodell für so manche unvorbereitete Sitzung. „Die Zahlen? Ach, die hat der Hund gefressen …“ Und auch Beschimpfungen hätten endlich wieder einen realistischen Bezugsrahmen. Mit „Du Dackel!“ wäre alles gesagt.

Welch großen Erfolg Tiere haben können, zeigt Choupette, die Katze von Karl Lagerfeld, die mittlerweile eine eigene Marke ist, mit der ihr Herrchen mehrere Millionen Euro einnimmt. Ich wiederhole: mehrere Millionen. Ließe sich das nicht auch bei uns nutzen? Werbe-Artikel vom „Landesdackel“ wären doch eine Idee. Für weltweite Berichterstattung wäre ohnehin gesorgt. Das hat der Hund „Bo“ von US-Präsident Barack Obama bewiesen. Über ihn gibt es seitenlange Reportagen und Porträts. Und der sieht bei weitem nicht so knuffig aus wie Ambra.

Aber nein, daraus wird nix. Alle weiteren Überlegungen zum Thema Hund und Politik werden abends von meiner Tochter Maya beendet. Auf die Frage, ob Ambra künftig auch in Mainz wohnen dürfte, erklärt sie entrüstet „Nein! Ambra ist mein Hund.“ Ihn mit dem Land zu teilen, kommt für sie nicht in Frage. Schade eigentlich. Aber wir hätten da noch ein niedliches Eichhörnchen im Garten …

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Julia Luttenberger

Über Julia Luttenberger

Julia Luttenberger, Jahrgang 1979, hat Geschichte und Literatur in Tübingen und Aix-en-Provence studiert, danach ihre Promotion in Berlin abgeschlossen. Seit ihrem Volontariat bei der RHEINPFALZ arbeitet sie seit 2015 als Redakteurin in Kaiserslautern und hat nie damit gerechnet, dass sie jemals über Dackel in der Politik schreiben würde. Und das auch noch öffentlich.