Kartoffelbrei aus der Tüte


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Lang, lang ist es her. Für ein Semester war ich einmal AStA-Sprecher an der Universität Mannheim – unsere hochschulpolitische Gruppe war eine Neugründung: die „Pfälzer Liste“. Vielleicht finden deshalb auch heutzutage pfiffige studentische Ideen immer noch meine Aufmerksamkeit. So wie die der „Jungen Initiative für Bildungs- und Wirtschaftspolitik“. Das ist ein Verein, den Laura Wamprecht zusammen mit Kommilitonen gegründet hat. Sie hat sich an ihrer ehemaligen Universität in Würzburg jahrelang in der Hochschulpolitik engagiert und kennt deshalb Frust und Leid, die man dabei meist erlebt.

Jetzt hat der Verein eine Kampagne gestartet, die Abiturienten, Studierenden und Promovierenden eine Entscheidungshilfe bei der Landtagswahl geben soll. „Studis Wählen“ heißt die Internetplattform. Wir haben sie getestet und herausgefunden: Manche gute Idee bleibt einfach auf der Strecke, weil Studentenvertreter logischerweise nicht jahrelang hochschulpolitisch am Ball bleiben können. Sie wollen ja letztlich Examen machen. Der Ball bleibt im Aus liegen.

Auf www.studis-waehlen.de können sich junge Leute über die hochschul- und wissenschaftspolitischen Positionen der Parteien informieren, die am 13. März zur Landtagswahl antreten. „Unser Ziel ist es, bei jungen Menschen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ihre Wahlentscheidung direkten Einfluss auf ihre Studien- und Promotionsbedingungen hat“, sagt Wamprecht. Gerade wer am Anfang seines Studiums stehe, könne mit seiner Stimme etwas bewegen.

Ob das stimmt? Beispiel landesweites Semesterticket. Das gibt es in anderen Bundesländern schon. In Nordrhein-Westfalen fahren damit die Studenten kreuz und quer durchs Land. In Rheinland-Pfalz dagegen haben die Hochschulen jeweils ein eigenes Semesterticket mit unterschiedlicher Reichweite und unterschiedlichen Preisen. Ende 2014 hatten Studierendenvertreter in Rheinland-Pfalz deshalb eine Initiative zur Einführung eines landesweiten Semestertickets gestartet. Angekündigt wurde eine Umfrage zu diesem Thema unter 120.000 Studenten in Rheinland-Pfalz und Saarland.

Was daraus geworden ist? Offenbar nichts. „Leider gab es, seit ich im Verkehrsreferat bin, keine Umfrage“, sagte uns dieser Tage Dominik Wocheslander, der gerade amtierende Referent für Verkehr im AStA der Uni Mainz. Ohne den Druck von den Studenten hat sich auch in der Landespolitik bisher bei diesem Thema nicht viel bewegt. Der Verein „Junge Initiative für Bildungs- und Wirtschaftspolitik“ hat die Wahlprogramme der Parteien, die in Rheinland-Pfalz antreten, jetzt auch nach Positionen zum landesweiten Semesterticket durchforstet. Ganz klar für solch ein Ticket sprechen sich FDP und die Linke aus. Die Grünen wollen dagegen „in einem ersten Schritt“ solche Angebote erst einmal „prüfen“.

Oh je. Bis dahin haben die AStA-Vorsitzenden und Verkehrsreferenten schon dreimal wieder gewechselt. Projekte bleiben deshalb auf der Strecke. Wie das ist, weiß ich noch von unserer „Pfälzer Liste“ an der Uni Mannheim. Die hatte damals unter anderem „Pfälzer Kartoffeln ins Mensa-Stammessen“ gefordert. Aber es gab noch immer Tütenkartoffelbrei, als wir mit dem Examen in der Tasche die Uni schon lange hinter uns gelassen hatten …

Pfälzer Kartoffeln

Sollten doch wirklich mensatauglich sein: Pfälzer Kartoffeln. (Foto: Kunz)

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Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.