Klöckner in Rot


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„Blonde Hoffnung – Julia Klöckner auf dem Weg zur Macht“ hatte „Cicero“, das monatliche „Magazin für politische Kultur“ (Auflage: rund 88.000), in seiner Dezemberausgabe getitelt. Das Cover stammt von dem Würzburger Illustrator und Künstler Marco Wagner. Es zeigt Klöckner in viel Magenta getaucht und mit einem filigranen Krönchen auf dem Kopf. In dem Schmuckstück ist das sechsspeichige Rad aus dem rheinland-pfälzischen Wappen zu erahnen. Soll die Krone nur eine Anspielung auf Köckners Jahr als Deutsche Weinkönigin sein? Oder doch eher auf ihre Ambitionen in der Politik?

Einer RHEINPFALZ-Leserin aus Frankenthal dürfte das Krönchen auf jeden Fall nicht gefallen haben. Sie hat uns diese Woche einen Leserbrief geschrieben, in dem sie beklagt, dass Julia Klöckner von anderen Leserbriefschreibern häufig als „Die Weinkönigin“ tituliert werde. Das sei beleidigend. Also, das glauben wir ja nun nicht: Deutsche Weinkönigin ist eine schöne Aufgabe, die – wie viele Amtsinhaberinnen gezeigt haben – weltgewandt machen kann.

Aber richtig ist: In der Vita, wie sie Klöckner selbst auf ihrer Internetseite aufführt, kommt die Zeit als Deutsche Weinkönigin nicht vor. Und beim Landeswahlleiter hat Klöckner über sich dies angegeben: „Journalistin, Theologin, Politologin M.A., MdL“. Weinkönigin ist ja schließlich auch kein Beruf.

Der Leserbrief aus Frankenthal hat es übrigens in der morgigen Samstagsausgabe nicht auf die Leserbrief-Seite geschafft. RHEINPFALZ-Redakteur Thomas Brückelmeier, der die Seite betreut, erklärt warum: „Zuerst einmal möchte ich betonen, dass wir uns grundsätzlich über Leserbriefe freuen. Sie zeigen uns, dass sich viele Leser mit unserer Berichterstattung aktiv auseinandersetzen – und teilweise auch an ihr reiben. Leider ist es uns allein schon angesichts der enormen Anzahl nicht möglich, alle Zuschriften zu veröffentlichen. Pro Woche gehen weit über 100 Briefe ein, manchmal sogar noch mehr. Wir treffen dann eine möglichst repräsentative Auswahl von circa 20. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Leserbriefschreiber die Meinung eines Kommentars teilen. Gegenrede ist ausdrücklich erwünscht. Dass der Leserbrief zu Frau Klöckner diesmal nicht dabei ist, hat noch einen weiteren einfachen Grund. In den beiden Wochen zuvor war sie gerade erst Thema in Leserbriefen.“

Zurück zum „Cicero“-Titelbild „Blonde Hoffnung“: Wie hat Klöckner selbst sich darauf gefunden? Die CDU-Spitzenkandidatin damals zur ARD: „Also, dass ich nicht schwarzhaarig bin, ist nun mal ein Faktum. Ansonsten werden Titelgeschichten und Titelblätter so gemacht, wie sich das Redaktionen in einer Demokratie ausdenken.“

Morgen in der RHEINPFALZ: 19 Leserbriefe – unter anderem zu den Themen Holzernte im Pfälzerwald, Flüchtlingspolitik, Elektromobilität und Hundehaltung.

Cover

Ziemlich rot: „Cicero“-Titel der Dezember-Ausgabe. (Foto: Cicero)

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Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.

Ein Gedanke zu „Klöckner in Rot

  1. Hans Henke

    Gute Antwort von Ihrem Leserbriefredakteur. Vielleicht ist das auch als Wink an die Blog-Betreiber zu sehen, bei denen Königin des Weines viel öfter vorkommt als die amtierende Präsidentin des Landes.

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