Lassen Sie uns über Stifte reden. Jetzt.


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Manchmal muss man sich als Journalist unbeliebt machen. Etwa, wenn man mitten in der Auszählphase – also jetzt –  gestresste Beamte (ja, so etwas gibt es!) anruft und mit ihnen über Stifte reden will. Besorgte Bürger haben sich im Laufe des Tages auch bei der RHEINPFALZ beschwert: Sie hätten ihr Kreuz mit Bleistift machen müssen. Das könnte jetzt ausradiert und heimlich an eine andere Stelle gesetzt werden. Skandal? Tatsächlich steht in der Landeswahlordnung: „In der Wahlkabine soll ein nicht radierfähiger Schreibstift bereitliegen.“

„Soll“, steht da. Und nicht: „muss“. So formulierte Vorschriften sind ein Fest für Juristen. Die können dann dicke Abhandlungen darüber verfassen, unter welchen Umständen diese Regel einzuhalten ist und unter welchen nicht. Der Landeswahlleiter allerdings hatte nach Angaben seines Büros schon vorab klargestellt: Die Kommunen haben gefälligst Stifte bereitzulegen, die auf dem Wahlzettel irreversible Kreuze hinterlassen.

Daran scheinen sich die Verwaltungen auch gehalten zu haben. Alle dem Landeswahlleiter heute gemeldeten Bleistifte haben sich der abendlich-gestressten Telefonauskunft zufolge als Buntstifte entpuppt, deren auf Papier gebannte Spuren jedem Radiergummi trotzen würden. So wie in Ludwigshafen. Dort habe ich auch gleich angerufen, nachdem ich mich schon im Büro des Landeswahlleiters unbeliebt gemacht hatte. Und erklärt bekommen: „Das sind Wachsstifte. Sie sehen von außen aus wie Bleistifte. Aber ihre Mine ist wie bei den Wachsmalstiften, die Sie aus der Schule kennen. Haben Sie schon mal versucht, die wegzuradieren?“

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Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.

Ein Gedanke zu „Lassen Sie uns über Stifte reden. Jetzt.

  1. Kurt Zaun

    in meinem Wahllokal waren die Stifte an einer Kordel festgebunden. Wegen Diebstahl.
    Die Kordel reichte lediglich bis zur ersten Zeile auf dem Wahlzettel!

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