Meine turbulente erste Nacht mit Antje


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Wahlnächte sind lang. Aber gleichzeitig können sie auch sehr kurz sein. Das habe ich am 18. September 2005 gemerkt. Da wählte Deutschland einen neuen Bundestag. Und ich saß zusammen mit meiner Kollegin Antje Landmann in der Lokalredaktion Frankenthal, um vom Urnengang in den Umlandgemeinden zu berichten. Über Orte wie Gerolsheim, Kleinniedesheim und Bobenheim-Roxheim haben wir beide dann mehrere Jahre lang gemeinsam geschrieben. Und in dieser Zeit eine Pärchen-Beziehung geführt, die einer soliden Ehe in fortgeschrittenem Stadium glich: kein Siewissenschonwas, aber dafür versteht man sich blind. Ich jedenfalls wusste genau, wen Antje meinte, wenn sie flötete: „Duhuu, einer von uns beiden müsste mal …“

Am 18. September 2005 allerdings war unsere Beziehung genau 18 Tage jung. Außerdem waren wir beide seit genau 18 Tagen dem Volontärsstadium entwachsen. Nun taten wir, was Redakteure an so einem Abend tun müssen: Wir warteten, bis sich die Prognosen im Fernsehen zu einem brauchbaren Trend verfestigten. Dann riefen wir die uns zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannten Polit-Größen in unseren Gemeinden an, um von ihnen ein paar freundliche Worte über das Abschneiden ihrer jeweiligen Partei zu hören. Und ein paar weniger freundliche über das Ergebnis des jeweiligen politischen Gegners. Und ein paar verdrießliche über künftige Koalitionen. Daraus machten wir dann Artikel, und währenddessen tickte die Uhr. Wenn ich mich nicht täusche, mussten die Frankenthaler Lokalseiten in jener Nacht um 0 Uhr in der Druckerei sein. Und wir waren mit unseren um etwa 23.59 Uhr fertig.

Meiner Erinnerung nach lag es eher an Antje, dass wir am Ende nur noch ein überschaubares Zeitpolster hatten. Möglicherweise ist das in ihrer Erinnerung genau umgekehrt, Sie wissen schon: solide Ehe in fortgeschrittenem Stadium. Unstrittig allerdings ist: Als Frucht unserer ersten (großteils) gemeinsam verbrachten und turbulent verlaufenen Nacht fanden die RHEINPFALZ-Abonnenten am nächsten Morgen in meinem Artikel ein Bobenheim-Roxheimer SPD-Fraktionschef Jürgen Butsch, der in Wirklichkeit leider Stefan hieß. Und einen CDU-Fraktionssprecher Jürgen Martin, der zwar tatsächlich so hieß, aber leider nicht gesagt hatte, was ihm dort zugeschrieben wurde. Denn die im Text zitierte Verbal-Attacke auf die Union hatte natürlich der SPD-Mann Butsch geritten. Was schon allein deshalb unglücklich war, weil Martin keinem Streit aus dem Weg ging. Auch keinem mit Redakteuren.

Alsbald klingelte denn auch mein Telefon. Aber überraschenderweise schnarrte der Christdemokrat sinngemäß nur „Kann mal passieren“ und „Aber stellen Sie es halt bitte richtig“ in den Hörer. Was ich dann natürlich getan habe. Ob Antje auch etwas korrigieren musste, weiß ich gar nicht mehr. Wie gesagt: solide Ehe in fortgeschrittenen Stadium. Jahre später ist unsere Pärchen-Beziehung dann zu Ende gegangen, weil ich in die Lokalredaktion Ludwigshafen wechselte. Inzwischen bin ich im pfalzweit zuständigen Südwest-Ressort. Mal schauen, ob die Wahlnacht dort eher kurz oder eher lang ist. Oder beides. Ob in den Artikeln die Vor- und die Nachnamen wirklich zueinander passen, können Sie am Montagmorgen dann selbst kontrollieren.

Hier im Internet werden wir Sie aber auch schon heute Abend informieren: mit einem Wahl-Ticker. Und mit Blog-Beiträgen, in denen wir Ihnen live von unserer Wahlnacht berichten.

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Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.