Pariser in Pirmasens


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Nicht nur Speyer ist für eine Überraschung gut. Wer in Wahlkampfzeiten in Pirmasens unterwegs ist, stößt auf, vorsichtig formuliert, interessante Wahlplakate.

Da dachte ich journalistischer Einfaltspinsel doch tatsächlich, dass ich vier Tage vor der Wahl jetzt wirklich alle Plakate gesehen hätte, mit denen die Parteien um Stimmen buhlen.  Da waren die überraschenden Motive der Linken oder die Wortspiele von CDU und SPD, die mir in Kaiserslautern aufgefallen waren. Meine Kollegin Yannika Hecht hat sich die Parteiwerbung in der Landeshauptstadt angeschaut, während unsere Mainzer Korrespondentin Karin Dauscher für die gedruckte RHEINPFALZ die AfD-Unterstützung durch dubiose Konstruktionen in den Blick genommen hat. Volker Wissings Pop-Art-Kopf war in diesem Blog schon Thema, die Grünen, die auf „Inhalte statt Köpfen“ bei ihrer Werbung setzen, kamen in der RHEINPFALZ auch schon zur Sprache. Aber jetzt das. In Pirmasens. Ausgerechnet im westlichen Zipfel der Pfalz, wo ich vor allem mit Plakaten der NPD gerechnet hatte (ihr Parteivorsitzender lebt hier), entdecke ich das.

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So wirbt „Die Einheit“ in Pirmasens um Stimmen. (Foto: gana)

Die Partei der Russlanddeutschen „Die Einheit“ tritt für die Befreiung von der Sexualkundepflicht in der Grundschule ein. Sie fordert Ethik statt Sexualkunde. Ob Grundschüler mehr mit Bienchen und Blümchen anfangen können oder sich doch der Einfachheit halber mit dem Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant auseinandersetzen, soll hier keine Rolle spielen. Einzigartig und originell ist die Bebilderung. In einem durchgestrichenen orangenen Kreis, der wohl an ein Verbotsschild erinnern soll, sehen Betrachter eine Banane mit einem Kondom. Daneben zwei traurig blickende Smileys, von denen eins eine Schleife im Haar trägt. Das soll wohl symbolisieren, dass es sich dabei um ein weibliches Wesen handelt. Aber der Haarschmuck von Smileys spielt ehrlich gesagt im politischen Geschäft eine eher untergeordnete Rolle. Also zurück zum Wesentlichen.

Eine Banane. Mit übergestülptem Kondom. Echt jetzt? Im Jahr 2016? –  Wenn der „Einheit“ mit diesem Plakatmotiv am Sonntag nicht endlich der Einzug in den rheinland-pfälzischen Landtag gelingt, weiß ich wirklich nicht, an was es liegt.

 

2 Gedanken zu „Pariser in Pirmasens

  1. Mike

    Lieber Herr Ganter,

    „die Einheit“ fordert Ethik statt Sexualkunde – zumindest auf dem Plakat. Was teile ihres Artikels obsolet machen. Als Theologe wissen Sie ja auch, dass es (leider) in Grundschulen durchaus schon Religionsunterricht gibt – vermutlich möchte „Die Einheit“ diesen etwas stärken und für orthodoxe Glaubensrichtungen öffnen.

    Mit besten Grüßen,
    Mike Schwörer

  2. Lisa Schuessler

    Mit der zunehmenden Integration unserer russischen MitbürgerInnen nimmt auch deren Vermehrungsfreudigkeit ab, ebenso die Sitte, relativ früh eine Ehe einzugehen. Das ist wohl in erster Linie der Grund gegen Sexualkundeunterricht zu wettern. Im übrigen kann Ethik zwar den Religionsunterricht (momentan bis zu 3 Std. wöchentlich!) ersetzen, nicht aber die „Sexualkunde“, den die gibt es so nicht … Das Wissen um die sexuellen Unterschiede, Verhaltensweisen und sachlichen Gegebenheiten des Menschen werden nämlich im Zusammenhang mit dem Thema „Der Mensch“ im Sachkundeunterricht vermittelt.

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