Schwarz = Rot-Grün


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Es gibt sie tatsächlich immer noch im Wahlkampf: Die Zeilen- und Fotozähler,  die uns akribisch nachweisen wollen, dass die RHEINPFALZ einseitig sei, weil wir über den Kandidaten von Partei A zwölf Zeilen mehr geschrieben haben als über die Kandidatin von Partei B und weil wir von Malu Dreyer in einer Woche drei Fotos in der Zeitung hatten, von Julia Klöckner aber nur zwei – oder umgekehrt. Immerhin: Wer unsere politische Berichterstattung so präzise misst, hält sie für einflussreich.

Unsere beiden exklusiven Interviews mit Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in der Ausgabe vom 17. Februar und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Ausgabe vom 25. Februar haben teils völlig gegensätzliche Einschätzungen in unserer Leserschaft hervorgerufen. Zu Sigmar Gabriel erreichte mich ein knappes Dutzend Stellungnahmen, dieses Interview beweise, wie rot-grün doch die RHEINPFALZ sei. Ein Leser kündigte deshalb sogar sein Abonnement. Schon am Tag, als das Merkel-Interview erschien, bekam ich gleich mehrere Protestmails, das sei total einseitige Beeinflussung der Landtagswahl zu Gunsten der CDU. Ein Leser schrieb, das Interview sei typisch für die „schwarze Kattel“ RHEINPFALZ. Im Gespräch mit ihm stellte sich heraus, dass er die Ausgabe mit dem Gabriel-Interview nicht gelesen hatte.

Die RHEINPFALZ ist überparteilich und unabhängig. Wären wir politisch einseitig, widerspräche das unserem publizistischen Auftrag und es schadete unserem wirtschaftlichen Interesse. Ist eine regionale Tageszeitung politisch einseitig, verliert sie an Glaubwürdigkeit und dann ganz schnell auch Abonnenten. Die meisten nationalen Tageszeitungen haben dagegen ganz bewusst eine politische Tendenz , um ein bestimmtes Segment im Meinungsmarkt abzudecken. „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) und noch mehr „Die Welt“ verorten sich rechts von der politischen Mitte. „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) und noch mehr die „Tageszeitung“ stehen links von der Mitte.

In der Pfalz gibt es einige hundert RHEINPFALZ-Abonennten, die außerdem die FAZ oder die SZ beziehen. Die meisten bekommen diese Zeitungen übrigens auch von den fleißigen Zustellern der RHEINPFALZ gebracht. In Gesprächen mit diesen Doppelabonnenten mache ich immer wieder die gleiche Erfahrung: Regelmäßige Leser der FAZ halten diese für objektiv und die RHEINPFALZ für zu links. Regelmäßige Leser der SZ halten diese für objektiv und die RHEINPFALZ  für zu rechts.

Ist es nicht faszinierend, dass dieselbe Zeitung von den einen für rot-grün und von den anderen für schwarz gehalten wird? Wir von der RHEINPFALZ sind allerdings sehr darum bemüht, dass diese beiden Gruppen erstens klein bleiben und zweitens etwa gleich klein sind. Die große Mehrheit unserer Leser soll die RHEINPFALZ für ausgewogen halten. Ausweislich unserer Lesermarktforschung ist es auch so.