Trauerkloß oder Sonnenschein


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Wie war das vor fünf Jahren bei der Landtagswahl? Am Abend des 27. März 2011 frohlockte Julia Klöckner: „Die CDU Rheinland-Pfalz ist wieder da.“ 35,2 Prozent der Stimmen hatte Klöckner, damals wie heute Spitzenkandidatin, geholt. Was die Jubilierer lieber verschwiegen: Das war das zweitschlechteste Ergebnis der CDU bei Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz seit 1947. Nur Klöckner-Vorgänger Christoph Böhr hatte 2006 noch desaströser abgeschnitten: 32,8 Prozent. „Wieder da“ bedeutete damals also „besser als Böhr“ – mehr aber auch noch nicht. Und heute?

Für die Wahl jetzt am 13. März sehen aktuelle Umfragen die CDU bei 36 beziehungsweise 37 Prozent. Das ist gemessen an früheren Wahlen auch kein reiner Sonnenschein – da mag Julia Klöckner noch so strahlen. Andere haben aber noch weniger zu lachen. Denn angesichts der nur 31 Prozent, die Umfragen derzeit der SPD von Ministerpräsidentin Malu Dreyer vorhersagen, muss sich mancher Genosse wie ein Trauerkloß fühlen – denn käme es tatsächlich so, wäre dies das schlechteste Ergebnis der SPD bei Landtagswahlen seit 1947.

Die Landtagswahl vor fünf Jahren hat indes gezeigt, wie unvorhergesehene Ereignisse Umfragetrends schlagartig aushebeln können. Am 11. März 2011 kam es zur Nuklearkatastrophe von Fukushima. Bei der Landtagswahl am 27. März holten die Grünen, schon immer die Anti-Atompartei, sagenhafte 15,4 Prozent – zwei Wochen zuvor hatten sie noch bei zehn Prozent gelegen.

Was wir auf keinen Fall wollen: ein zweites Fukushima. Aber es gibt genug andere denkbare Stör- und Zwischenfälle, die diese Landtagswahl noch beeinflussen könnten. Trauerkloß oder Sonnenschein? Die Rollen sind noch lange nicht verteilt …

Vor der Landtagswahl gibt es übrigens noch einmal einen aktuellen RHEINPFALZ-Trend: Das ist die landespolitische Umfrage, für die das Hamburger Meinungsforschungsinstitut Gess Phone & Field im Auftrag der RHEINPFALZ jeweils 1000 Wahlberechtigte in Rheinland-Pfalz befragt.

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Rolf Schlicher

Über Rolf Schlicher

Geboren 1955 am Fuße des Betzenbergs. Während des Studiums (Politikwissenschaften, Germanistik) Volontariat bei der RHEINPFALZ. Leitet dort seit 2000 das Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“. Begleitete bisher journalistisch sechs Landtagswahlen. Für sein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ 2015 mit dem „Medienpreis Pfalz“ des Bezirksverbandes ausgezeichnet.