Wie eine Bowle die Orakel-Idee meines Chefs wiederbelebt hat


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Grünes Zeug voller gelber Brocken in altväterlicher Schüssel: tauglich als Wahl-Orakel? (Foto: häm)

Als Autor von „Das Pfälzer Tischleindeckdich“ ist mein Ressortleiter Rolf Schlicher so etwas wie ein preisgekrönter Experte fürs Pfälzer Lebensgefühl. Hier im Blog allerdings ist er neulich voll an seinen Lesern vorbeigerauscht. Da hatte er den bunten Abendhimmel über der Kalmit fotografiert, das Bild nach der politischen Farbenlehre gedeutet – und dann die „Wahlzeit“-Fans dazu aufgerufen, nach diesem Muster eigene „Wahl-Orakel“ einzuschicken. Resonanz bislang: exakt null.

Meiner ursprünglichen Meinung nach hätte man es dabei ruhig belassen können. Schließlich werden solche Spielchen auch schnell albern. Aber nun ist mir diese Bowle dazwischengekommen. Ein Freund hatte sie zusammengerührt, weil er am Wochenende in seinen 33. Geburtstag hineinfeierte: Schrill-grünes Zeug kam heraus, doch er servierte es in einer anrührend altväterlichen Pressglasschüssel. Was mir in politischer Hinsicht so gar nicht zusammenzupassen schien, bis mir aufging, dass diese Party in Baden-Württemberg stattfand.

Die Erkenntnis dürfte heraufgedämmert sein, während ich am zweiten Glas nippte. Wie viele noch folgten, muss an dieser Stelle keine Rolle spielen. Später am Abend schien es mir jedenfalls auch ungeheuer bedeutungsschwanger, dass in der grünen Suppe kleingehackte gelbe Brocken herumschwammen, während sich das schwarze Regal ein wenig eingestaubt gegen die Wand drückte und genauso wenig Beachtung fand wie die knallrote Ketchup-Flasche. Irgendwann fiel mir auch noch auf, dass diverse braune Flaschen auf dem Tisch herumlümmelten.

Mittlerweile frage ich mich, ob ich die Geburtstagsparty nicht nachträglich als Arbeitszeit anmelden soll. Zumal der Gastgeber in seine Bowle neben Zuckerrohrschnaps auch Riesling gekippt hatte. Womit der Abend ohnehin eine Recherche zum Pfälzer Lebensgefühl war.

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Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.