Wie weiland unter Adenauer


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Nach alter Landesväter Sitte: Winfried Kretschmann wirbt in Baden-Württemberg um Stimmen. (Foto: dpa)

Eigentlich haben sich die SPD und vor allem die Grünen ihre aktuelle Hauptgegnerin Julia Klöckner selbst eingebrockt. Schließlich waren es zuvörderst die linken Parteien, die Frauen in politischen Spitzenämtern salonfähig gemacht haben. Und in Rheinland-Pfalz waren sie damit so erfolgreich, dass alle drei derzeit im Landtag vertretenen Parteien mit Spitzenkandidatinnen um die Wählergunst werben, auch die einst so konservative CDU.

Ganz anders sieht es in Baden-Württemberg aus, wo ebenfalls am 13. März gewählt wird. Dort schauen überwiegend Männer von den Plakaten, allen voran tut es der amtierende Ministerpräsident. Großformatig beteuert Winfried Kretschmann auf fast jeder Verkehrsinsel, dass alles so bleiben kann, wie es ist: „Auf dem richtigen Weg …“, steht oft neben seinem ergrauten Schädel.

Das sieht dann alles aus wie weiland bei Konrad Adenauer, der „keine Experimente“ versprach. Allenfalls der Schnitt der Anzüge hat sich ein wenig geändert. Und die Farbe der Krawatte. Bei so viel 1950er-Jahre-Atmosphäre würde man sich in Baden-Württemberg doch mehr Gewicht für eine Partei wünschen, die weniger patriarchalisch daherkommt, die nicht so auf Amtsautorität und altväterliches Auftreten setzt, die mehr mit ihrem Programm und weniger mit Personen wirbt, die auch Frauen ganz nach oben bringen will.

Also so etwas wie die Grünen. Ups, ach so …

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Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Ursprünglich kannte er nur Landtagswahlen, bei denen immer dieselbe Partei gewinnt: Der 38-Jährige ist als bayerischer Staatsbürger aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war er in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.