Zwei Tage: Ruhe vor dem Sturm


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Politik wird heute nicht mehr gemacht in Mainz. Deshalb laufen auch in unserem RHEINPFALZ-Büro die Vorbereitungen für den Wahlabend und die Absprachen, welche Politiker wann zu sprechen sind. Die Wahlkämpfer sind überall im Land unterwegs, um noch die letzten Unentschlossenen zu mobilisieren. Nicht nur auf der Straße, auch im Internet. Die Grünen beispielsweise haben eine Aktion „Drei Tage wach“. Rund um die Uhr werden Fragen von Interessenten beantwortet. Wie die Grünen die mangelnden Kenntnisse in der Quantenmechanik schulpolitisch auffangen wollen, lautet eine Frage. Aber es wird auch die Haltung der Partei zu Einhörnern abgefragt. Da hat wohl gerade jemand zu viel Fantasy-Filme geschaut.

Es fühlt sich ein wenig an, wie die Ruhe vor dem Sturm. Szenarien für den Wahlabend werden durchgespielt. „Was passiert, wenn… .“ Obwohl die Umfrageflut in den vergangenen Tagen hoch war, ist es letztlich doch Kaffeesatzleserei, wer am Ende die Nase vorn hat, wer von den kleinen Parteien den Sprung in den Landtag schaffen wird. Wir wissen es nicht!

Aber es gibt die eine oder andere Erfahrung: Als 2006 die Grünen unerwartet aus dem Landtag rausgeflogen sind, da flossen echte Tränen auf der Wahlparty. Wir Journalisten standen einigermaßen ratlos vor dem Wahlergebnis, das hatte nun wirklich niemand vorher auf dem Schirm. Umso wilder war die Party dann vor fünf Jahren: Das Comeback mit 15,4 Prozent. Wie es um die Ökopartei am Sonntag stehen wird, ist eines der größten Rätsel im Vorfeld. Ein anderes betrifft die FDP: Ob sie wild feiern wird? Sie hofft auf die Rückkehr in das Parlament nach fünf Jahren Abstinenz. Zwei Tage werden wir uns noch gedulden müssen. Dann stürmt es.

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Karin Dauscher

Über Karin Dauscher

Karin Dauscher (49) beobachtet die Landespolitik seit 2001. Sie hat Rot-Gelb, Rot und Rot-Grün an der Regierung erlebt, die Einführung der Ganztagsschule, den Streit um den Nürburgring und das Ringen um die Energiewende. Nach einem Studium der Germanistik, der Politikwissenschaft und der Vergleichenden Literaturwissenschaft volontierte sie in der Öffentlichkeitsabteilung der BASF und wechselte 1994 zur RHEINPFALZ. Ihr Kürzel: kad